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Semarang NIS

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 01.06.2009 09:07
von 52_2006 • 374 Beiträge
Samarang NIS Station,

Spuren des ersten Bahnhofs Indonesiens




Recherchiert und geschrieben von:
Deddy Herlambang, Tjahjono Rahardjo, Karyadi Baskoro

Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von:
Stefan Matthäus (SM)

Weitere Anmerkungen von:
Florentinius Suyanto (FS)


Indonesian Railway Preservation Society
Semarang 2009

Hintergrund

Wie in verschiedenen Publikationen beschrieben, wurde die erste Eisenbahnlinie Indonesiens zwischen Semarang und Tanggung gebaut. Ihr Bau wurde am 17 Juli 1864 begonnen, markiert durch eine Spatenstich-Zeremonie durch den niederländischen Statthalter General L.A.J.W. Baron Sloet van de Beele. Diese 25 Kilometer lange Bahnline, die im Besitz der Nederlandsch-Indische Spoorweg Maatschappij (NIS) war, wurde offiziell am 10 August 1867 eröffnet. Dies beweist, dass die erste Bahngesellschaft des indonesischen Archipel die NIS war (de Jong, 1993., Durrant, 1972).

Anmerkung des Übersetzers (SM): Im Gegensatz zu den anderen Bahngesellschaften der niederländisch-indischen Kolonie, welche später alle in Kapsur (1067 mm) bauten, baute die NIS diese Bahnstrecke in Normalspur (1435 mm), die Bahnstrecke verband im Endausbau Semarang mit den Städten Ambarawa und über Surakarta nach Yogyakarta, und hatte südlich von Yogyakarta noch zwei Streckenäste in landwirtschaflich erschlossene Gebiete. Der Bau dieser Bahn war für das Militär von strategischer Bedeutung, verband sie doch den Seehafen Semarang mit der Ganrnisonsstadt Ambarawa und dem Machtzentrum Yogyakarta, wo es keinen Hafen gab, daher wurde diese NIS-Strecke auch vom Militär mitfinanziert. Die Normalspurstrecken der NIS wurden zwischen 1942 und 1945 von der japanischen Besatzungsmacht auf Kapsur umgespurt, bis auf wenige Überreste ist heute nichts mehr vom Normalspurgleis und dem rollenden Material vorhanden.


Eines der wenigen Überbleibsel in 1435 mm Spurweite: Torso eines T3-ähnlichen C-Kupplers der NIS mit 1435 mm in Yogyakarta. Die Lokomotive wurde 1901 von Hanomag unter der Fabriknummer 3636 für die NIS gebaut und hatte dort die Betriebsnumnmer 106. Der Kessel gehört nicht zur Originallokomotive und stammt vermutlich von einer D-gekuppelten Kapspurlokomotive der Malang-Stoomtram.

Semarang als Startpunkt der Strecke ist unbestreitbar. Aber die genaue Position des ersten Bahnhofs ist immer noch ein kontrovers diskutiertes Thema. Die meisten Personen glauben, dass die Position dieses ersten Bahnhofs in (Semarang-) Kemi(d)jen war, und/oder er hieß Kemi(d)jen. Diese Personen beziehen sich normalerweise auf ein bestimmtes Buch über die Geschichte der Eisenbahn in Indonesien, welches Kemi(d)jen-Tanggung als erste Bahnstrecke nennt (TBN, 1997). Andere Veröffentlichungen erwähnen nicht explizit, wo genau sich der Bahnhof befand (de Bruin, 2003., Durrant, 1972., Oegema, 1982).

Anmerkung FS: Die Verwaltung der NIS-Bahngesellschaft waren tüchtige (= sparsame) Geschäftsleute, sie dachten nur an die Zweckmäßigket und hatten überhaupt kein Interesse an einem prachtvollen Bahnhofbau. So haben sie den kleinen und einfachen Bahnhof im Bezirk Kemijen im Jahr 1867 gebaut, weil das ein Sumpf war und weit außerhalb der Stadt lag, daher waren dort die Grundstuckpreise sehr billig. Die Lage dieses Bahnhost ist etwa mit der des Zentralbahnhofs von Amsterdam vergleichbar.

Der Bahnhof Tawang – der zweite NIS-Bahnhof in Semarang, welcher zu einem späteren Zeitpunkt gebaut wurde, ist immer noch erhalten und als historisches Gebäude erfasst. Interessanterweise nimmt man an, dass der erste Bahnhof, welcher historisch viel wichtiger ist, längst verschwunden ist, und wird daher vernachlässigt. Nicht viele Leute wissen von dem alten Bahnhof und seinem aktuellen Zustand, und wenn sie es wissen, wissen sie nicht, dass das mal ein Bahnhof war. Oder existiert er doch nicht mehr? Diesen Bahnhof zu finden, ist für die Eisenbahngeschichte Indonesiens sehr wichtig, da dies der Punkt ist, an dem Indonesiens Eisenbahngeschichte begann. Darüber hinaus würde die Wiederentdeckung der exakten Position dieses Bahnhofs eine wichtige Lücke in den historischen Informationen schließen.

Anmerkung FS: 1914 war die NIS-Bahn von der Niederländisch-Indischen Kolonial-Regierung gezwungen, einen "würdigen" Bahnhof zu bauen, sonst würden ja die kolonialen Soldaten demoralisiert, nachdem sie im prächtigen Bahnhof Ambarawa (Baujahr 1907) und den genauso prächtigen Umsteigebahnhof Kedungjati (Baujahr 1907) ihre Reise starteten, und dann in dem "unwürdigen" Endbahnhof Semarang (Kemijen) aussteigen? Welchen Eindruck sollten die im Hafen von Semarang aus den Niederlanden ankommenden Soldaten und Reisenden haben, wenn sie diesen Bahnhof sahen? Die SJS-Bahngesellschaft hatte zu dieser Zeit schon einen prächtigen Bahnhof in Jurnatan (genannt Centraal Station) und die SCS-Bahngesellschaft hatte auch schon einen prächtigen Bahnhof Poncol (Semarang West) gebaut. Welch ein Armutszeugnis für die NIS, das konnte ja nicht wahr sein!! Natürlich bekam die NIS-Bahn beim Bau des Neuen Bahnhof Semarang Tawang in 1914 " wiederum "sehr großzügige Unterstützung" von Kriegsministerium, und hoffentlich würden die Leute den ärmlichen ersten Bahnhof bald vergessen.

Mit diesem Hintergrund im Sinn stellt sich die Frage, wo exakt befand sich dieser erste Bahnhof?

Die Suche

Die “Indonesian Railway Preservation Society” (IRPS) ist eine Organisation, die sich mit der Erhaltung dem indonesischen Eisenbahn-Erbes befasst. Daher ist es naheliegend, dass die IRPS sich mit dieser Frage beschäftigt, und versucht, eine Antwort zu geben. Die Ortsgruppe Semarang der IRPS hat versucht, herauszufinden, wo genau sich dieser erste Bahnhof befand, und ob es dort noch Überbleibsel gibt.

Zunächst wurden verfügbare Referenzen untersucht. Die wichtigsten Quellen waren:
1. Veröffentlichungen über indonesische Eisenbahnen (de Bruin, 2003., de Jong, 1993., Durrant, 1972. Oegema, 1982. TBN, 1997)
2. Historische Karten des Tropeninstitutes in den Niederlanden (Koninklijk Instituut voor de Tropen, KIT, 2008)
3. Historische Fotografien in der Sammlung des Instituts für Völkerkunde in den Niederlanden (Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde, KITLV, 2008)
4. Satellitenfotos aus der Anwendung Google Earth Pro 4.2 (Google, 2008). Die Anregung dafür kam aus der Arbeit von Stefan Matthäus, der zunächst alleine, dann aber mit unserer Untertützungf alle aktuellen und historischen Bahnlinien und Feld- und Waldbahnen Indonesiens in Google-Earth markiert.
Später, im Dezember 2008, direkte Beobachtungen am vermuteten Ort, um zu sehen, ob es dort wirklich noch identifizierbare Überreste des Bahnhofs gibt.

Erkenntnisse

Unsere Suche begann mit einer Anzahl Informationen, unter anderem über Kemi(d)jen, Tambaksari, Samarang NIS, und auch über die Entwicklung der Gleisstrecken im Suchgebiet des ersten NIS-Bahnhofes. Die Ergebnisse der Analyse dieser Informationen werden nachfolgend in verschiedenen Abschnitten dieses Reports diskutiert.

A. Kemidjen (Kemijen)


Fig 1. Das Schild im Transportmuseum in Jakarta zeigt den Namen Kemidjen als ersten Bahnhof.


Fig 2. Das Stellwerk und der Bahnhofs Kemi(d)jen nach TBN (1997).


Fig 3. Der Bahnhof Kemi(d)jen aus einem anderen Blickwinkel (Foto: PJKA).

Aus den historischen Fotos in Bild 2 und 3 kann man folgende Informationen herauslesen: Die Bilder zeigen ein Gebäude, welches höchstwahrscheinlich ein Stellwerk ist. Das Schild “Kemidjen” beweist, dass dieses Gebäude ein Teil des Bahnhofs Kemidjen ist.

Die Bildunterschriften sagen aus:
1. Der Bahnhof Kemijen Station ist der erste Bahnhof
2. Die Bahnlinie ist Kemijen-Tanggung
3. Das Bahnhofsgebäude Kemijen auf dem Bild ist das zweite Gebäude; das erste Gebäude befindet sich nicht weit von diesem Zweiten, ist aber auf dem Bild nicht zu sehen.

Diese Informationen scheinen zu beweisen, dass der erste Bahnhof Indonesiens unzweifelhaft in Kemi(d)jen war. Trotzdem muss diese Information überprüft werden, in dem andere Referenzen ausgewertet werden. Daraus ergeben sich zwei Fragen. Die erste Frage ist: Ist es wahr, dass der erste Bahnhof Kemi(d)jen hieß? Die zweite Frage: Unabhängig vom Namen, befand sich dieser Bahnhof in Kemi(d)jen?

Nicht eine Quelle über den Betrieb der ersten Bahnlinie Indonesiens erwähnt den Namen Kemi(d)jen. Diese Quellen nennen alle die Bahnstrecke von Samarang nach Tangoeng. Die Bahnhöfe auf dieser Bahnstrecke waren: Samarang, Allas-Toewa, Broemboeng, Tangoeng (de Jong, 1993).

Die Verwendung der Schreibweise Samarang war zu dieser Zeit in der niederländischen Kolonie üblich. In offiziellen Dokumenten vor 1880s wurde der Name der heutigen Stadt Semarang immer als “Samarang” geschrieben. Natürlich wurde demnach auch der Bahnhof von Semarang Samarang Station genannt. (Bild 5 und 17). Sogar noch in den 1930er, als die Stadt schon Semarang geschrieben wurde, hieß der NIS-Bahnhof immer noch Samarang (de Bruin, 2003., Reitsma, 1925).

Die Karte von Semarang aus dem Jahr 1866 (Bild 4) zeigt, dass es zu dieser Zeit nur ein Bahnhofsgebäude und nur eine Bahnlinie gab, und zwar die der NIS. Dieser Bahnhof befand sich laut der Karte in einer Gegend, die später Tambaksari genannt wurde (Bild 6). Das Hauptgebäude des Bahnhofs befand sich am Ende der Spoorlaan, die heute Jalan Ronggowarsito (Ronggoswarsito-Straße – Anmerkung SM) (de Jong, 1993) heißt. Zu dieser Zeit gab es die Dampfstraßenbahn Samarang-Joana (Samarang-Joana Stoomtraam, SJS) und deren Gleisnetz noch nicht.

Der Bahnhof Samarang bestand zu dieser Zeit aus den folgenden fünf wichtigen Strukturen:
1. Personenbahnhof (Personenstation), ein U-förmiger Kopfbahnhof.
2. Güterbahnhof (Goederenstation), er befand sich westlich des Personenbahnhofs auf der anderen Seite der Spoorlaan.
3. Bahnhofskanal (vaart van het Station) nördlich des Personenbahnhofs. Dieser Kanal verband den Bahnhof mit dem Hafen von Semarang.
4. Ausbesserungswerk (Werkplaatsen) südlich des Bahnhofs. Dieses E-förmige Gebäude war das größte Gebäude des Areals
5. Stationschef (Station Chef), ein kleines Gebäude am Spoorlaan, westlich des Personenbahnhofs.

Wenn allerdings Samarang NIS der erste Bahnhof war, muss man sich folgende Fragen stellen: Woher kommt der Name Kemi(d)jen für diesen Bahnhof? Seit wann existiert der Bahnhof oder Haltepunkt Kemi(d)jen? Wo befand sich der Bahnhof Kemi(d)jen (welcher nach den Bilder 2 und 3 einst existierte)?

Allerdings, wenn man sich auf die Karte im Buch Djawatan Kereta Api aus dem Jahre 1960 (Bild 11) bezieht, ist es bereits einfach, die Frage nach der Position des Bahnhofs Kemi(d)jen zu beantworten. Er ist nördlich des Öllagers der Pertamina (BPM, staatliche Ölgesellschaft Indonesiens – Anmerkung SM), südlich des heutigen Bahnhofs Semarang Gudang auf der ehemaligen SJS-Bahnlinie, welche Semarang-Jurnatan mit Demakverband. Der Samarang NIS Bahnhof wird auf dieser Karte schon nicht mehr gezeigt, kann aber immer noch nachvollzogen werden. Er ist auf der von Südost- (Brumbung – Solo/ Gambringan) nach nordwest (Prauwen Hafen) NIS Bahnline, also nördlich von Semarang-Gudang. Man kann daraus schließen, dass der Bahnhof Kemi(d)jen sich an einem anderen Ort befand, als der Samarang NIS Bahnhof.

Kemi(d)jen als ein Name eines Ortes scheint zum Zeitpunkt des Baus der ersten NIS-Bahn und des ersten Bahnhofs noch nicht bekannt gewesen zu sein. Auf der Karte von 1866 war die Gegend um das heutige Öllager der BPM als Kampung Djangkaran und Kampung Djapan (kampung = Dorf, Anmerkung SM) bekannt. Der Name Kemidjen erscheint erstmalig auf einer Karte von 1909, und zwar als Kampung Kemidjen Tjilik und Kampung Kemidjen Gede (Bild 6). Diese Dörfer wurden später Teil der Erweiterung des BPM Öllagers.

In der Karte aus dem Jahr 1938 erscheint der Name Kemidjen an einer Stelle, die in älteren Karten als Tawangmintreng bezeichnet wurde. Diese Stelle befand sich etwa in der Mitte der Spoorlaan südlich des ersten Samarang NIS Bahnhofs (Bild 10). Später wurde an dieser Stelle ein weiterer Bahnhof auf der SJS Bahnstrecke Semarang – Demak gebaut. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Bahnhof daher Kemidjen genannt wurde, aber auf der Karte von 1935 ist an dieser Stelle noch kein Gebäude eingezeichnet, woraus man schließen kann, dass dieser Bahnhof zwischen 1935 und 1938. gebaut wurde.




Übersicht zum nachfolgenden Ausschnitt Bild 4


Bild 4. Der Samarang NIS Nahnhof als Entwurf auf der Karte aus dem Jahr 1866 (KIT No. 03885), fertiggestellt waren die Bahnanlagen erst im Jahr 1867.


Bild 5. Die Karte aus dem Jahr 1869 zeigt die Bahnlinie und den Bahnhof Samarang NIS (KIT No. 04946)


Übersicht zum nachfolgenden Ausschnitt Bild 6


Bild 6. Karte des Bahnhofs Samarang NIS aus dem Jahr 1909. (KIT No. 02256-1)

B. Entwicklung des Bahnhofs Samarang NIS

Wenn man die Zeit anhand der verfügbaren Karten passieren lässt, kann man beobachten, wie das Gleisnetz der NIS und auch der Bahnhof wuchsen. Mit einem einfachen Anfang im Jahr 1867, wuchs der Bahnhof erheblich bis zum Jahr 1898. Die Gleise entlang des Bahnhofskanals wurden bis zum Hauptkanal des Hafens verlängert (KIT map No. 07312-2). Dies wurde notwendig, da der Bahnhofskanal nicht mehr existierte, aber eine Verbindung zum Hafen erforderlich war. (Anm. SM: Anders herum wäre es allerdings logischer, zur Vereinfachnung des Umsteigebetriebs für Güter und Passagiere von den Seeschiffen auf die Bahn wurde die Bahn in den Hafen verlängert, und dafür der nicht mehr benötigte Kanal zugeschüttet.) Auf der Karte von 1907 kann man erkennen, dass immer mehr Gleise zum und rund um den Hafen gebaut wurden. Auch wurden Gleise zur Dordtsche Petroleum Fabriek (heutiges BPM-Öllager, Anmerkung SM) gelegt (KIT map No. 06108).

Auf der Karte von 1909 kann man erkennen, dass dem Bahnhof Samarang NIS weitere Gebäude hinzugefügt wurden (Bild 6.). Das Depot (Dipo = Betriebswerk) wurde nördlich des Ausbesserungswerkes und östlich des Personenbahnhofs gebaut, und es hatte auch eine Drehscheibe. Gleise zum Güterbahnhof (Goederenstation) wurden an der Kreuzung mit dem Spoorlan entfernt und das Gebäude selbst wurde abgerissen. Die Umladung von Gütern wurde in den Norden des Personenbahnhofs verlagert.

Einige Jahre vor 1914 wurde geplant, einen neuen NIS-Bahnhof beim Dorf (Kampung) Tawang zu bauen (KIT map No. 0610). Später wurde dieser Bahnhof Samarang Tawang NIS genannt, um ihn von Samarang NIS zu unterscheiden. Der Bau des neuen Bahnhofs war die Antwort auf die wachsenden Aktivitäten der NIS. Um den Bahnhof Tawang mit der NIS Hauptstrecke zu verbinden, wurde es nötig einen Teil des Bahnhofs Samarang NIS abzureißen. Die KIT Karte No. 06112 (Bild 7) zeigt deutlich, dass die NIS Hauptstrecke bereits mit dem Bahnhof Samarang Tawang verbunden war. Ansonsten waren alle anderen Gebäude in Samarang NIS Stationimmer noch intakt, und umfassten das Betriebswerk, das Ausbesserungswerk und den neuen Güterbahnhof. Der Name wurde in Samarang Goederenstation umbenannt (de Jong, 1993). Später wurde dies der Bahnhof Semarang Gudang (SMG).


Bild 7. Karte des Bahnhofs Samarang NIS Station aus dem Jahr 1917 (KIT No. 06112)


Übersicht zum Ausschnitt Bild 6


Bild 8. Karte des Bahnhofs Samarang NIS im Jahr 1925 (KIT No. 03888-1)

Im Jahr 1925 wurde das Gleisnetz der NIS immer komplexer, wie man in Bild 8 (KIT Karte No. 03888-1) sehen kann Der Bau des neuen Hafens war abgeschlossen, und weitere Hafengleise und Fabrik- und Lagerhausanschlüsse, die an den Wasserwegen des Hafens lagen, wurden gebaut. In Samarang NIS wurde das Ausbesserungswerk geschlossem und das E-förmige Gebäude abgerissen. Alle seine Aktivitäten wurden zum Ausbesserungswerk Pengok werkplaats in Yogyakarta verlagert. Über das ehemalige Ausbesserungswerk wurden neue Gleise in 1067 mm der Bahnstrecke Semarang-Gambringan - Cepu verlegt. Trotzdem blieben einige Teile des ehemaligen Ausbesserungswerks erhalten.

Das Bahnhofsgebäude Samarang NIS ist in einigen späteren Karten noch eingezeichnet, in anderen nicht: 1935 (KIT No. 11810A), 1938 (KIT No. 05120-218-B), 1945 (KIT No. 03879-1), 1946 (KIT No. 03871). Dies mag ein Grund sein, warum das Bahnhofsgebäude Samarang NIS Station, als der erste Bahnhof der NIS, aus dem Gedächtnis der Leute verschwand. Trotzdem stand das Gebäude noch und wurde, hier greifen wir etwas vorweg, niemals vollständig abgerissen.

Es muss hier angemerkt werden, dass in der Karte von 1925 die SJS Bahnlinie nach Demak immer noch entlang der Pengapon Straße verläuft, in der Karte von 1935 ist diese Bahnlinie an den südlichen Rand des ehemaligen NIS-Ausbesserungswerks verlegt worden (Bilder 9 und 10).


Bild 9. Karte des Bahnhofs Samarang NIS Station aus dem Jahr 1935 (KIT No. 11810A). Der untere Pfeil zeigt die Position des Bahnhofs Semarang-Kemidjen.


Bild 10. Karte des Bahnhofsareals Samarang NIS Station im Jahr 1938 (KIT No. 05120-218-B). Der rechte indonesische Text mit dem Pfeil zeigt auf die Position des Wortes Kemidjen in seiner neuen Interpretation als Bezirk, der linke Text bezeichnet den gleichnamigen Bahnhof.


Bild 11. Gleisnetz der Stadt Semarang als Teil der Streckenkarte von Java und Madura der staatlichen Bahngesellschaft DKA aus dem Jahr 1960.

Übersetzung des oberen indonesischen Textes:
Position des Bahnhof Samarang NIS
> Gebäude nicht eingezeichnet
> Gleise des Bahnhofs nicht eingezeichnet
> Bahnstrecke nach Südosten nach Gambringan eingezeichnet

Übersetzung des unteren indonesischen Textes:
Bahnhof Kemidjien
> Südlich von Semarang Gudang
> Nörtlich vom Öllager der Pertamnina
> Bahnstrecke Jumatan – Demak (SJS)

C. Der Bahnhof Samarang NIS heute

Um heraus zu finden, wo der Bahnhof Samarang NIS heute zu finden ist, wurde ein Vergleich zwischen den Karten der KIT Sammlung und den Satellitenfotos Google Earth durchgeführt. Durch die Untersuchung der Gebäudepositionen, welche sich natürlich nicht verändert haben, und der immer noch sichtbaren ehemaligen Gleistrassen, kann man sich ein Bild der aktuellen Lage des Bahnhofs machen.

Der ehemalige Personenbahnhof befindet sich in einer Siedlung im Norden. Das Ausbesserungswerk befand sich in einem Areal, welches heute ein Sumpf ist, Gebäudereste sind hier nicht mehr zu erkennen. Der Güterbahnhof und der Kanalbahnhof waren an einer Stelle, die heute sehr dicht besiedelt ist, und es ist nicht bekannt, ob es dort noch Überreste der Anlagen gibt (Bilder 12 und 13).

In Bild 14 und 15 sind noch deutlich Gebäude erkennbar. Der ehemalige Lokschuppen kann anhand seiner schrägen Gebäudeausrichtung zweifelsfrei identifiziert werden. Die Drehscheibe befand sich südlich davon, die Position ist aber nur sehr schwer zu erkennen. Der südliche Teil des ehemaligen Personenbahnhofs steht auch noch. Das entspricht de Jong’s Beschreibung von 1993, die besagt, dass der südliche Teil des Gebäudes immer noch stehen soll, während der nördliche Teil schon vor langer Zeit verschwand.


Bild 12. Das Google-Earth Satellitenfoto zeigt die aktuelle Situation des ehemaligen Samarang NIS Bahnhofs. Darin eingezeichnet die Strukturen aus der KIT Karte von 1866.


Bild 13. Hier sind die Daten aus der KIT-Karte von 1909 in das Sateliten-Foto eingeblendet.


Bild 14. Hier sind in das Satellitenfoto nun die Details der KIT-Karte von 1866 eingezeichnet.


Bild 15. Starke Vergrößerung des Satellitenfotos mit der Lage des ehemaligen Samarang NIS Bahnhofs, wie er in der Karte aus dem Jahr 1867 eingezeichnet war.

D. Heutiger Zustand des Samarang NIS Bahnhofs

Um herauszufinden, ob wirklich noch Überreste von irgendwelchen Gebäuden des ehemaligen Bahnhofs identifiziert werden können, wurden Untersuchungen vor Ort angestellt. Dazu wurden die Darstellungen in den historischen Karten mit den Satelitenfotos kombiniert. Außerdem wurden alte Fotos des Samarang NIS Bahnhofs zur Identifizierung herangezogen.


Bild 16. Der Samarang NIS Bahnhof im Jahr 1867, gesehen aus südwestlicher Richtung von der Spoorlaan (heißt heute Jalan Ronggowarsito) (de Jong, 1993). KITLV bemerkt zu diesem Foto, welches aus der J.A. Meesen Sammlung stammt: “… het eerste station van de Nederlandsch Indische Spoorwegmaatschappij, gebouwd 1867”. (”... der erste Bahnhog der Nederlandsch Indische Spoorwegmaatschappij, erbaut im Jahr 1867.”)


Bild 17. Der Samarang NIS Bahnhof im Jahr 1867 von Osten gesehen (de Jong, 1993). Anmerkung SM: Der indonesische Text weist auf den südlichen, noch stehenden Flügel des Bahnhofs hin.


Bild 18. Bahnsteig des Bahnhofs Samarang NIS Station im Jahr 1867 (de Jong, 1993).

Das gefundene Gebäude liegt am Ende des Jalan Ronggowarsito, es hat eine Ost-West-Ausrichtung. Es befindet sich ganz in der Nähe der heute existierenden Gleise in Richtung des Hafens von Semarang (prauwen haven). Die originale Form des Gebäudes ist nur noch schwer zu erkennen, da auf beiden Seiten des Bahnhofsflügels zahlreiche Anbauten hinzugefügt wurden. Auch das Innere des Bahnhofsgebäudes wurde stark verändert. Deutlich ist außerdem zu erkennen, dass das Gebäude heute zwei bis drei Meter niedriger erscheint, als im Originalzustand. Dies ist auf Landabsenkungen in Folge der chronischen Überflutungen des Areals und wieder auffüllen des Areals zurück zu führen, das Gebäude versinkt langsam. Anmerkung SM: Das ist die Konsequenz der Wahl des billigen, sumpfigen Areals für den Bahnhofsbau durch die NIS.

Trotzdem, der erkennbare Grundriss des vorgefundenen Gebäudes und einige vorhandene Details und Ornamente sind starke Beweise dafür, dass dies mit Sicherheit der alte, erste Personenbahnhof (personenstation) Indonesiens ist. Die wieder erkannten Details und Ornamente sind:
1. Runde Belüftungslöcherüber den Türen.
2. Die Torbögen
3. Die eisernen Säulen, die das Bahnsteigdach trugen und die auffällig gebogenen und verzierten Klammern.
Diese vier am Gebäude gefundenen Elemente entsprechen exakt denen auf den historischen Fotos.

Wie der Samarang NIS Bahnhof heute aussieht, kann man auf den Bildern 19-22 sehen. Einen Vergleich der identifizierten Details kann man auf Bild 23 sehen.





Bild 19a und 19b. Aktuelle Fotos des ehemaligen Betriebswerkes und des Dachs des Bahnhofs Samarang NIS





Bild 20a und 20b. Aktuelles Foto eines runden Belüftungsloch und eine der auffällig gebogenen Klammer des Samarang NIS Bahnhofs.





Bild 21a und 21b. Weiteres Foto eines runden Belüftungslochs und einer Tür mit Rundbogen und die Lage des ehemaligen Bahnsteiges




Bild 22a und 22b. Aktuelle Fotos von übrig gebliebenen Säulen. (Fotos: Deddy Herlambang)


Fig 23. Vergleich der aktuell vorgefundenen Details mit dem historischen Foto.

Fazit

Aus den durchgeführten Nachforschungen können wir folgendes identifizieren:
1. Der Name des ersten Bahnhofs ist Samarang NIS Station, und nicht Kemidjen (SJS)
2. Der erste Bahnhof befindet sich an der Straße Jalan Ronggowarsito, im Gebiet Tambaksari, und nicht in Kemi(d)jen. Anmerkung FS: Der ganze Stadtbezirk heißt allerdings Kemidjen.
3. Die Strecke der ersten Eisenbahnline war [b]Samarang-Tangoeng/[b] (Semarang-Tanggung), und nicht Kemi(d)jen-Tanggung.
4. Vom ehemalugen Bahnhof Samarang NIS steht noch der südliche Flügel und der Lokschuppen.

Danksagung

Die Ersteller dieses Reports möchten sich bei allen bedanken, die dabei geholfen haben, dieses Ziel zu erreichen. Unser herzlicher Dank geht an die treuen Mitglieder der Indonesian Railway Preservation Society (IRPS), speziell die Mitglieder aus Semarang für ihre Unterstützung und Informationen und die Mühe, die sich bei der Suche nach dem Bahnhof gemacht haben. An Stefan Matthäus für die Vorarbeit bei der Markierung der Eisenbahnlinien in Google Earth und die Hinweise auf die historischen Karten des KIT, welche die Lokalisierung des Bahnhofs erst möglich machten. Und nicht zuletzt auch an das Management und die Mitarbeiter der Staatsbahn PT Kereta Api (Daerah Operasi IV, Regionaler Operationsbereich IV Semarang) für ihre Kooperation und Unterstützung.

Referenzen

- Anonyme kurze Beschreibung. Indonesische Staatsbahn, Region Zentral-Java.
- De Bruin, J. 2003. Het Indische spoor in oorlogstjid. De spoor- en tramwegmaatschappijen in Nederlands-Indie in de vuurlinie, 1873-1949. Uitgeverij Uquilair B.V.
- de Jong, M.v.B 1993. Spoorwegstations op Java. De Batafsche Leeuw. Amsterdam.
- Durrant, A.E. 1972. PNKA Power Parade Indonesian Steam Locomotives. Locomotives of the Perusahaan Negara Kereta Api. Continental Railway Circle. England.
- Google. 2008. Satellitenfotos im Programm Google Earth.
- KIT. 2009. Koninklijk Instituut voor de Tropen (Royal Tropical Institute). Amsterdam. http://www.kit.nl/
- KITLV. 2009. Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde (Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies). Leiden. http://kitlv.pictura-dp.nl/
- Oegema, J.J.G. 1982. De Stoomtractie Op Java En Sumatra. Kluwer Technische Boeken B.V. Antwerpen.
- Reitsma, S.A., 1925. Gedenkbook der Staatsspoor- en Traamwegen in Nederlandsch-Indië 1875-1825. Topografische Inrichting. Weltevreden.
- Telaga Bakti Nusantara. 1997. Sejarah Perkeretaapian Indonesia. Jilid 1. Penerbit Angkasa. Bandung.

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
zuletzt bearbeitet 01.06.2009 12:49 | nach oben springen

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