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Kondensierende Grenzgänger

in Zu den Henschel-Kondenslokomotiven 06.10.2004 00:01
von 52_2006 • 374 Beiträge
Man sollte meinen, der 2. Weltkrieg ist vorbei, und alle Lokomotiven bleiben dort, wo sie zu dem Zeitpunkt waren, also eine Lok, die an der Ostfront stand und nicht 'heim' gefahren werden konnte, verblieb bei der SZD, eine von den westlichen besetzteb Gebieten bleibt bei der SNCF, SNCB, usw... So einfach erscheint es zumindestens auf den ersten Blick, wie man z.B. in M.Reimers Buch zur BR 52 und derem Verbleib ablesen kann. Aber schon bald fanden sich Ausnahmen, insbesondere Loks die zwischen DR, PKP und SZD ausgetauscht wurden. Es gab jedoch ganz besondere Fälle, von denen ich hier einige interessante Beispiele vorstellen will. Diese besonderen Fälle haben wir bei unseren Recherchen zu verschiedenen Kondenslok-BWs und Bahngesellschaften der unmittelbaren Nachkriegszeit entdeckt, teilweise sind da auch wiedersprüchliche Angaben aufgetaucht, allerdinmgs kann es auch sein, dass in der einen oder anderen Quelle doch noch ein (Ab-)Schreibfehler oder eine Verwechslung steckt. Ich zeige euch daher ohne Filterung einige Stationierungsdaten in einer etwas anderen Form als auf unserer Webseite bisher möglich. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es möglich sein in der Lokdatenbank die Stationierungsdaten detaillierter aufgelistet zu sehen, soweit sie uns bisher bekannt sind.

Zuersteinmal zu unserer 'Schicksalslok' 52 2006, mit der das Webseitenprojekt anfing, dies ist auch gleich ein ganz besonderer Fall, der auch einigermaßen bekannt ist. Nach ihrem Bau im August 1944 bei Henschel (Fabr. Nummer 27334) kam sie wie alle 52KON in den Bestand des BW Schöneweide Swv. Während mit wenigen Ausnahmefällen die Loks mit den Betriebsnummern 52 1851 bis 52 1940 in Lokzügen an die Südostfront gebracht wurden, 52 1941 bis 52 1953 an die Nordostfront (RVD Riga) fuhren, wohin inzwischen auch viele Loks vom Südabschnitt hinverlagert waren, fuhren 52 1954 bis 52 1992 an die Westfront auf belgisch/nordfranzösisches Gebiet. Alle Loks danach verblieben anscheinend bis Kriegsende in Berlin, auch 52 2006, die wahrscheinlich höchstens Nachschubaufgaben innerhalb des Reichsgebiets zu bewältigen hatte. So kam es auch, dass 52 2006 seit Oktober 1944 bis nach Kriegsende erst bei der DR in der RBD Berlin gelistet war, vermutlich irgednwo ungenutzt abgestellt. Für allierte Transportaufgaben wurden bekanntermaßen auch deutsche Lokomotiven verwendet, die teilweise ein L für "Lended" (Leihlok) vor die Betriebsnummer bekamen. So auch die 52 2006 und die 52 1949, 52 1963, 52 2001, 52 2005, und 52 2012, welche auf diese Weise kur nach Kriegsende von Berlin auf westalliertes Gebiet gelangten. Die folgenden Loks aus dieser Aufzählung gelangten so zur DB: 52 1949, 1963, 2001, 2005, 2012. Die 52 2006, welche sich zu dem Zeitpunkt möglicherwesie in Kirchweye aufhielt, jedoch nicht, noch vor ihrer Registrierung auf West-Gebiet durch die DR-w bzw. DB gelangte sie noch in eine Auswahl Beuteloks, die von den Amerikanern nach Fort Eustis/Virginia, USA abtransportiert wurde. Neben der 52 2006 waren das folgende Loks: Die Dampfmotorlok 19 1001, die 42 1597, eine V36, die 52 3674 und eine 750 mm-Feldbahnlok HF 110C (Jung, 10136/1944). Sie wurden 1947 auf zwei Ausstellungen zu deutschen Produktionstechniken in Chessie Station, Fort Monroe/Virginia und in Chicago dem Militär, Wirtschaft, der Politik und interessiertem Publikum gezeigt. Anschliessend fanden noch Erprobungsfahrten statt, und zwischen März und Juni 1952 wurden all diese Loks bei einer Werft in Newport News/Virginia verschrottet. Die 52 2006 hat also nicht nur Grenzen überwunden, sondern auch gleich noch den Atlantik. Dem Aufentahlt der 52 2006 in Virginia haben wir möglicherweise auch die Entstehung der SAR 20 und der SAR 25 Kondensloks zu verdanken, denn ich bin da auf eine kleine Gegebenheit gestoßen, die dies zumindestens vermuten lässt, aber dazu später mehr auf unserer Webseite.

52 2007 (Henschel Nr. 27335 / August 1944) war auch ein interessanter Fall, auch sie blieb wie die 2006 im Krieg zunächst in Berlin Schöneweide stationiert, wurde im Dezember 1944 nach Danzig verlegt und gelangte aber nicht wie nun erwartet zur PKP, sondern zunächst wieder zur DR, vermutlich über einen Truppenrücktransport bei Kriegsende. Bei einem frühen Kolonnentransport gelangte sie in die Sowjetunion und gehörte dort kurzzeitig zum SZD-Bestand. Ob sie jemals die Betriebsnummer TE-2007 führte, ist allerdings noch nicht bekannt. Ihre Karriere endete jedoch als Ty2-13 bei der PKP, wohin sie von der SZD aus erst 1951 gelangte.

Noch interessanter ist das Schicksal der 52 1888. Viele werden sicher Bilder der Lok aus den 1970ern aus dem DR-BW Wustermark mit Giesl-Ejektor und Wannentender kennen. Die Lok wurde ursprünglich als eine Kondenslok von Henschel unter der Nr. 27216 in 7/1943 gebaut. Über Schöneweide gelangte sie in die RVD Rostow (Don) BW BW Preobrashenka, BW Nikolajew, BW Odessa-Traji und schließlich ins BW Wirballen der RBD Riga und wurde dort von der Roten Armee erbeutet und gelangte so zunächst als TE-1888 zur SZD. Jetzt das überraschende: Am 1.6.1945, also unmittelbar nach Kriegsende, taucht 52 1888 in den Beständen des BW Mainz-Bischofsheim auf! Der Aufenthalt in DB-Gefilden dürfte aber nicht lange gedauert haben, denn irgendwann nach 1947 (Datum ist mir noch nicht bekannt) gelangte sie von der SZD (dort wieder als TE-1888 geführt) bei der DR auf, wo sie eine Generalreparatur erhielt, und wie bei allen anderen Kondensloks der DR die Kondensausrüstung entfernt wurde.

52 1942 ist auch ein verwirrender Fall: Im Januar 1944 bei Henschel gebaut, gelangte sie über Schöneweide ins BW Tauroggen der RVD Riga, und wurde dort anscheinend von den Russen erbeutet. Allerdings wurde sie 1946 bei der DR zusammen mit 52 1909 als Schadlok wieder von den Russen beschlagnahmt. TE-1909 wurde 1946 ausgemustert, möglicherweise als Teilespender fürTE-1942, aber bisher habe ich noch keine Belege dafür gefunden, das TE-1942 wieder in Betreb gewesen sein soll. Allerdings, und nun das seltsame, 52 1942 tauchte 1950 und 1951 in den Beständen des BW Minden als DB-Lok auf, ein Ausmusterungsdatum bei der DB allerdings bisher nicht. Das jüngste Ausmusterungsdatum ist bisher das von 1946 bei der SZD, also bevor sie anscheinend zur DB gelangte.

52 1936 (Henschel 27264, Januar 1944) wurde über Schöneweide in der RVD Kiew im BW Shmerinka Nord eingesetzt (Ankunft am 20.2.1944 mit einem Lokzug, Räumung des BW am 16.3.1944). Zwiwschendurch war sie in München und Wien gesichtet worden, vermutlich bei Rücktransporten von der Front, bzw. Nachschubsaufgaben. Bis zum 10.4.1944 war sie dann in Odessa Trajii stationiert, von wo sie einen RAW-Aufenthalt (Posen?) wegen Schäden hatte, wo sie dann der Roten Armee in die Hände fiel. Allerdings laut einer andere Quelle soll sie 10/1944 wieder in München gewesen sein. Sie endete schließlich als TE-1944 bei der SZD, die sie 1984 noch in ein neues Nummernschema als 1042 1469 umgezeichnet und wurde 1993 zuletzt in Berestowiua/Weißrusslad gesichtet.

Bei den Recherchen zu 52 1993 sind wir auch auf einen Fehler in der Literatur gestoßen. Die 1993 wurde unter der Fab.Nr 27321 im Juli 1944 gebaut und war während des Krieges anscheinend immer in Schöneweide stationiert, jedenfalls tauchte sie bisher nirgends in einer Liste eines BWs in den besetzen Gebieten auf, weder Ost- noch Westabschnitt. Allerdings im Juli 1945, also auch nach Kriegsende, wurde sie von amerikanischen Einheiten aus Halle mitgenommen, und gelangte zur SNCF, wo sie als 1-150-Y-1993 (es existiren verschiedene Schreibweisen der Betriebsnummer, mit Punkten anstelle der Striche, ohne führende Eins, etc) eingereiht wurde. Laut Reimer soll sie 1951 an die DB zurückgegeben worden sein, hier liegt aber offensichtlich ein Fehler vor. Denn sie war die bei der SNCF am längsten betriebene BR52 überhaupt, sie behielt bis zum Schluß ihren Kondenstender, und war damit gleichzeitig bei allen Bahnverwaltungen zusammen genommen die letzte BR 52KON mit funktionsfähiger Kondensausrüstung im Regelbetrieb, während bei allen anderen Bahngesellschaften entweder die Ausmusterung/Verschrottung/Umbau zur Heizlok (DB) oder Umbau in die Normalversion (DR, PKP, SZD) im Gange oder schon abgeschlossen war. Die 1-150-Y-1993 wurde erst am 20.12.1958 z-gestellt, und verblieb noch bis weit in die 1960er als Heizlok in ihrem ehemaligen Heimat-BW Straßburg-Hausbergen. Dies ist sogar durch Fotos belegt.

Weitere Grenzgänger:
- Wie schon erwähnt: 1945 die Loks 52 1949, 52 1963, 52 2001, 52 2005, 52 2012 von der DR zur DRw
- im Jahr 1946 die 52 1864 genau wie 52 1909 und 52 1942 von der DR zur SZD
- 52 1975, von der Westfront über Berlin zur STD (TE-1975) und schliesslich als im Jahr 1950 als Ty2-10 bei der PKP
- Die 52 1956 gelangte von der DR (Bei Kriegsende abgestellt in der RBD Berlin) zur PKP und wurde dort als Ty2-7 geführt (und existiert immer noch!)
- Im Jahr 1951 die 52 1973, 52 1977 und 52 1992 aus Belgien (SNCB 27.003, 27.001, 27.002) zur DB.
- Im Jahr 1963 möglicherweise die TE-1937 (ex 52 1937) von der SZD an die PKP, dort vermutlich als Ty2-1314.

So, das war die Übersicht zu den Grenzgängern, soweit wir sie bisher kennen. Den kompletten Verbleib der Kondensloks kann man im Verbleibs-Kapitel der 52KON und später in der Datenbank auf unserer Webseite entnehmen. Wer die teilweisen Überaschungsstationierungen oder scheinbaren Wiedersprücge belegen oder entkräftigen kann, soll dies nun tun. Ich bin auf euer Wissen um diese Lokschicksale gespannt!

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#2

Kondensierende Grenzgänger

in Zu den Henschel-Kondenslokomotiven 04.01.2007 18:32
von Hellmut Seidel • Besucher | 1 Beitrag
Dank an Stefan für die supergründliche Recherche zu den 52ern. Nun weiß ich wenigstens, wo meine 52 2006 von Piko herumgeisterte und endete!
Gruß Hellmut

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