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Museum Keretapi Ambarawa, Mitteljava

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 17.05.2006 08:19
von 52_2006 • 374 Beiträge
Erstens:

Museum Kereta Api in Ambarawa / Mitteljava. Nördlich von Yogjakarta, und südlich von Semarang, falls jemand da hin will. Ich war das letzte Mal im Februar/März 2002 dort.


So kündigt sich das Museum an. Vor dem Schild ein 1PS-Taxi. Naja, so schmächtig wie der Gaul ist, wird der allerhöchstens 0,5 PS haben... Was ist da hinter dem Schild?



Kein Lockvogel, sondern eine Locklok... Da kann man nicht wiederstehen! Nein, wirklich nicht!


Das ist der ehemalige Bahnhof von Ambarawa, heute Museum. Die Einrichtung der Station ist wie zu Kolonialzeiten.




Nur das Gleisfeld wurde größtenteils zu einem Garten umgestaltet, in dem der größte Teil der Sammlung auf Sockeln steht.


Lageplan des Museums, und eine Lokliste. AUf das Gebäude am unteren Rand gehe ich weiter unten ein...

So, dann mal langsam zur Sammlung. Aber erstmal etwas zur Nummerierung der Lokomotiven. Die Bahngeschichte Indonesiens ist ähnlich derer von Deutschland. Es gab dort von Anfang an genausowenig eine Staatsbahn wie hier, sondern es wurden Konzessionen an Privatbahnen vergeben. Die erste Eisenbahn Indonesiens führte von Semarang nach Yogjakarta, und sie war normalspurig (1435 mm). Sprichwörtlich daneben und anderswo auf der Insel Java entstanden dann kurz danach noch andere Linien anderer Bahngesellschaften, diese aber zumeist in der Kapspur 1067 mm, da der Streckenbau so billiger war. Diese Bahnlinien machten sich teilweise starke Konkurrenz, z.B. direkt parallel zu der Normalspurlinie verlief auch eine Kapspur-Linie einer anderen Bahnlinie. In manchen Städten (z.B. Semarang und Surabaya)gab es so vier oder mehr Bahnhöfe verschiedener Bahngesellschaften, die teilweise die selben Ziele anfuhren. Die Japaner, die die holländische Kolonie Niederländisch-Indien, wie Indonesien damals hieß, während des zweiten Weltkrieges besetzten, machten damit Schluß. Die Normalspur wurde auf Kapspur umgenagelt, und die Normalspurwagen Loks in die japanisch besetzte Manschurei (China) abtransportiert. Ob die Loks dort ankamen, ist nicht sicher. Zurück nach Java. Die Japaner vereinigten alle Bahngesellschaften, verwalteten sie und gaben allen Loks neue Nummern, wobei man sich am japanischen System orientierte:
- Für die Loknummer spielt die Anzahl der angetriebenen Achsen eine wichtige Rolle, diese werden wie in Deutschland auch von A bis F (!) durchgezählt. Der oder die beiden Buchstaben bei Mallets und Drehgestell-Loks (Diesel, Elektrisch) kommen an die erste Stelle der Bezeichnung.
- Als nächstes kommen zwei Ziffern für die Reihen-Nummerierung. Die Zahlen 01 bis 09 sind nicht besetzt, 10-49 steht für Tenderlokomotiven. 50-99 ist für Schlepptenderloks reserviert.

Beispiel: F10 ist eine Tenderlok mit 6 gekuppelten Achsen, genauer gesagt 1F1! Bilder der Lok weiter unten... DD50 dürfte dann auch klar sein... 1'D'D. Solch eine Lok existiert leider nicht mehr, dafür aber noch drei CC50, eine davon in Utrecht im Museum, die anderen folgen unten.

Hinter der Baureihenbezeichnung folgt dann die laufende Nummer, bei den meisten Dampfloks zweistellig, nur bei der D52 dreistellig, und bei allen Diesel- und E-Loks auch dreistellig.

So, jetzt aber zu den Dampfloks innerhalb des Museums in Ambarawa.


B2014 - Eine Kastenlok von 1905, gebaut von Beyer-Peacock.

B2220 - Gebaut von Hartmann im Jahr 1900, eine Trambahnlok wie man an den Schürzen unter dem Umlaufblech erkennt. Man beachte auch das tief heruntergezogene Dach, welches vor der unerbärmlichen indonesischen Sonne schützen soll.

B2711 - Nochmal von Hartmann aus dem Jahre 1914. Erinnert optisch ein wenig an die bayrische Pt3/2 (BR 70), nur dass die Achsfolge genau umgedreht ist.

B5112 - gebaut von Hanomag im Jahr 1902. Das ist eine vereinfachte und leicht geschrumpfte preußische P4.2 (BR 36-4) mit Tropenführerhaus.

B5112 - Das Schicksal von im Freien stehender Lokomotiven, überall auf der Welt.

B5210 - Lustig die Kleine mit dem zweigeteilten Führerhaus? Auch von Hartmann gebaut, und zwar 1907.

B5210 - nochmnal ein Portrait der Lok

BB1012 - eine Mallet, gebaut 1907 von Hartmann, ungewöhnlich jedoch die Nachlaufachse unter dem Führerhaus.

BB1012

C1140 - irgendwie kommt einem dieses Gesicht bekannt vor. Baujahr 1891 und damit die älteste Lok in der Sammlung.

C1240 - C12 ist eine C11 mit Verbundtriebwerk, auf der einen Seite der Hochdruck- und auf der anderen Seite der größere Niederdruck-Zylinder. Beide ähnlen der sächsichen VT, haben aber eine zusätzliche Vorlaufachse. Die Ähnlichkeit ist aber auch kein Wunder, denn sie wurden beide bei Hartmann in Sachsen gebaut. Die C12 ist Baujahr 1896 und dürfte eine der allerersten Loktypen mit einem Überhitzer sein!

C1603 - nochmal eine Trambahnlok von Hartmann, Baujahr 1902

C1704 - Hartmann, 1901

C1801 - Hartmann 1908

C2001 - Hartmann 1912

C2407 - Werkspoor (Amsterdam), 1901

C2728 - Werkspoor (Amsterdam), 1919 - Große Teile der Steuerung fehlen leider.

C2821 - Henschel 1921, irgendwie kommt mir die Lok bekannt vor... Ob hier unsere BR 78 Vorbild war?

C5417 - aus dem Mutterland der Eisenbahn, Beyer Peackcock 1922

C5417

CC5029, man könnte fast sagen, das wäre ein geschrumpfter "Challenger" der Union-Pacific...

CC5029 - Winterthur 1928. Die gleiche Type wurde auch von Werkspoor, Hanomag und Hartmann gebaut. Die Loks waren auf den Anstiegen zum Plateau von Bandung unterwegs.

CC5029 - ein Portrait

D1007 - mit Klien-Lindner-Endachsen, sonst käme das Ding durch keine Kurve. So konnte man das Gewicht der Lok über eine große Länge verteilen, ohne allzuviele (schwere) Achsen zu haben. Die Loks dieser Baureihe waren für Züge auf extrem schlechten Oberbau vorgesehen. Ziemlich das kurioseste was jemals auf indonesichen Gleisen fuhr, Hartmann baute diesen Hingucker 1915.

D1007 - Die Reihe D10 ist baugleiuch mit der D15, siehe später. Hier gabs eine Doppelverteilung der Baureihenbezeichnung bei den Japanern.

D5106 - gebaut von Hartmann im Jahr 1920. Diese Loks sollten eigentlich auf die Hedjas-Bahn kommen, wegen Turbulenzen in der Gegend verkaufte Hartmann sie dann aber nach Niderländsich Indien, wie Indonesien als Kolonie hies.

D5106

D5106

F1002, auch "Javanic" genannt. Die Reihe F10 hat eine einzigartige Achsfolge. Wenn man davor steht, kann man kaum glauben, wie gigantisch eine Kapsur-Tenderlok sein kann.

F1002 - eine sehr hübsche Konstruktion. Wurde übrigens 1915 von Hanomag gebaut. Die Feihe F10 wurde ursprünglich für die Gebirgsstrecken rauf nach Bandung beschafft. Leider war der Verschleiss in den Kurven an den Schienen und den Radsätzen zu hoch, so dass die Loks später nach Ostjava ins Flachland versetzt wurden, wo es viele gerade Strecken gab.

Soweit erstmal die Loksammlung auf den Sockeln. Zu einem richtigen Eisenbahnmuseum gehört allerdings auch eine Museumsstrecke. Die befahren wir jetzt mal.

Im Hintergrund der Anstieg zum alles beherrschenden Vulkan Merapi. Davor der Lokführer in seiner Maschine...

... muss auch mal selbst ne Weiche stellen...

Der zur Weiche gehörende Haltepunkt.





Am Ende der Strecke?

Neee, nur das Draisinchen kommt hier nicht weiter, Zahnstange System Abt. Aber was braucht man zum Erreichen der Bergstation Bedono? Naja, erstmal zurück ins Museum...


Eine Drehscheibe, und im Hintergrund das Gebäude, welches auf dem Museumsmodell ganz unten zu sehen war. Wir nähern uns mal...


Ein Wasserwagen

Ein Weichenhebel mit Richtungsanzeige

Lokschuppen von Vorne

Lokschuppen von hinten, da ist schon was zu sehen...

Ein Wasserkran lässt hoffen...



Noch etwas Reserve.

Indonesische Holzklasse. Sieht fast aus wie hier, nur die Fenster sind wegen Sonnenschutz nicht so hoch wie hierzulande.

Ausblick aus der Holzklasse! Was ist das?


Gefunden! Ein Zahnrad für die Zahnstange. Das schafft es nach Bedono!

Das dazugehörige Triebwerk sieht gut aus!



Die kleine B2502 dampft sogar!



B2503, noch so eine. Da sie von Kessler gebaut wurden, habe ich sie "Kessler-Zwillinge" getauft. Es sind aber eigentlich keine Zwillinge, denn vor dem Rathaus in Ambarawa und im Militärmuseum auch in Ambarawa steht jeweils noch eine.

Die hinter B2503 stehende E1060 wurde von der Maschinenfabrik Esslingen in den 1950ern gebaut, und sie hat einen Giesl-Ejektor. Sie fuhr auf dem westlichen Eisenbahnsystem in Sumatra und wurde extra von dort in das Museum auf Java gebracht. Auch sie wurde gerade angeheizt.

Am Nachmittag sollte eine holländische Reisegruppe mit der B2502 mit den Holzklasewagen rauf nach Bedono fahren. Wie gerne wäre ich da mit. Leider war unsere Zeit schon erschöpft, wir mussten weiter, denn unser Reiseziel an den kommenden zwei Tagen hies Bali, und das mit dem Auto bei DEM Verkehr...

Aber keine Frage, ich komme wieder, und dann wird Bedono erklommen. Ausserdem ist die Strecke mittlerweile auch in Richtung Semarang von draufgestellten Wohnhäusern (!) befreit worden, und man kann einige Kilometer mit der blauen Draisine befahren, für ne Dampflok ist der Oberbau dieses Streckenteils leider noch zu schwach, aber man arbeitet daran... Eine passende funktionsfähige Streckenlok der Reihe C11 wurde schon aus Cepu herangeschafft.

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