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Das Reisen auf dem Dach...

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 17.05.2006 08:25
von 52_2006 • 374 Beiträge
[b]Das Reisen auf dem Dach...[/b]

... ist in Jakarta alltäglich, besonders Morgens und Abends, wenn die Menschenmassen in und aus der Stadt strömen. Oftmals stimmt hier Zugangebot mit Nachfrage nicht überein, oder der Fahrpreis ist zu hoch. Dann wird eben geklettert, denn oben ist meistens noch Platz und der Kontrolleur kommt auch nicht hin. Das Fatale dabei ist, dass die Strecken innerhalb des Stadtgebietes von Jakarta normalerweise [1] elektrifiziert sind, 1500 V Gleichspannung. Die Nahverkehsrzüge in die Vororte und bis nach Bogor (50 km südlich) sind normalerweise [1] auch elektrische Triebfahrzeuge zumeist japanischer Herkunft (teilweise von dort gebraucht übernommen). Wenn dann so ein Zug durch eine Weichenstraße eiert, oder über einen schlechten Streckenabschnitt [2] schaukelt, dann kamen schon öfters auf dem Dach mitreisende Fahrgäste die Idee, sich am Pantographen festzuhalten, um nicht vom Zug herunterzufallen. Das Resultat ist dann wie sich hier jeder sicher denken kann 'Orang Goreng' [3], und das passiert nicht selten. Aber auch Diesellok-bespannte Züge sind oft auf jeder einigermaßen horizontalen Fläche, und mag sie auch noch so klein sein, 'besetzt'.

Ich war selbst am 16.2.05 wegen der Kereta Api [4] in Jakarta unterwegs. Dabei entstanden dann die folgenden Bilder zu diesem Thema:

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0895.jpg[/img]
Noch harmlos: Ein blinder Passagier direkt hinter dem dritten Spitzenlicht des INCA-Triebwagens [5].

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0896.jpg[/img]
Nachschuß auf den selben Zug, weiter hinten waren doch noch ein paar Leute mehr auf dem Dach.

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0976.jpg[/img]
Die Mitfahrer eins weiterer Inka-Triebwagens grüßen freundlich den Fotografen. Es fehlen nur wenige Zentimeter zur Oberleitung...

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0977.jpg[/img]
Nachschuß auf den selben Zug, weitere freundliche Reisende auf dem Dach und ein ganz schlauer auf der 'Kadee-'Kupplung.

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0980.jpg[/img]
Dort oben auf diesem Triebwagen japanischer Herkunft muss die Freiheit grenzenlos sein, so gelassen wie der da sitzt. Bloß nicht aufstehen... Der 'Silberling' dürfte aus Tokyo bekannt sein.

Natürlich versucht die Bahngesellschaft etwas gegen diese Art zu Reisen zu tun, hier ein paar der erfolglosen Maßnahmen:

- Sämtliche Kletterhilfen wie Leitern, Regenrinnen, Griffstangen entfernt. Die Leute kamen immer noch hoch, da sie sich selbst als Leitern betätigten oder hochziehen/heben lassen. Es soll sogar welche geben, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, anderen auf die Züge klettern zu helfen.

- Alle Stellen, an denen man hochklettern konnten, wurden mit Schmieröl, Schmierseife, usw. versehehen. Hat aber niemanden aufgehalten, die Reisenden wurden nur etwas dreckiger.

- Verschiedene Bauarten von Stacheln, die an die Dachansätze der Triebfahrzeuge und Wagen angebracht wurden, wurden als zusätzliche Kletterhilfe genutzt, und die Leute waren noch für zusätzliche Festhaltepunkte auf dem Dach dankbar...

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT0925.jpg[/img]
Wie ein Igel - so sah das zum Beispiel aus, gesehen am 16.2.05 im Ausbesserungswerk in Jakarta an einem Inka. Das ist die extremste Ausführung, die ich bisher zu sehen bekam.

Fakire leben in Indien, und die sitzen bekanntlich auf Scherben und Nagelbrettern. Auf dem Inka-Triebwagen, das sind aber in das Blech getriebene Dreizacks, hier die Vergrößerung:

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/dreizack.jpg[/img]

Das wäre dann eher was für Neptun...

- Bei Dieselloks wurden die Umlaufbleche am Rand mit Scharnieren versehen, an denen Bleche befestigt wurden. Für Wartungsarbeiten konnten diese Bleche seitlich nach unten weggeklappt werrden, so dass sie nicht weiter störten. Im Betrieb waren diese Bleche auf die Umlaufbleche geklappt, aber im Winkel von etwa 45°, so dass da eigentlich keiner mehr sitzen oder stehen konnte. Die Reisenden haben dieses Kunststück aber trotzdem hinbekommen.

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/PICT1502.jpg[/img]
Diese Konstruktion habe ich am 20.2.05 im Ausbesserungswerk in Yogjakarta an der ausgeschlachteten BB 303 15 (Henschel Typ DHG1000BB, 1973) bewundern können.

[b]Fußnoten[/b]

[b][1][/b] Normalerweise ist das ganze Stadtgebiet elektrifiziert, nur am 18.2.05 fehlte plötzlich auf einer Strecke im Süden Jakarta die kupferne Oberleitung auf 400 Meter, sie war über Nacht fachgerecht kurzgeschlossen worden, keiner hats gemerkt, und dann hatte irgendjemand 400 Meter langes, dickes Kupferkabel zu verkaufen. Auf der Strecke musste dann der Nahverkehr mit Ersatzfahrzeugen stattfinden. So bekamm mal wieder die BB 304 10 (Krupp 1976, Typ M1500BB) einen Nahverkehrseinsatz. Zwei Tage zuvor hatte ich sie noch mit einem Kohlezug von Jakarta ostwärts fahrend erwischt. Der Kohlezug fiel dann wohl aus.

[img]http://www.stefan-matthaeus.homepage.t-online.de/Indonesia/dach/bb30410.jpg[/img]
Und so sieht es aus, wenn BB 304 10 einen Nahverkehrszug zieht. Der Text unter dem Zeitungsfoto der Tageszeitung Pikiran Rakyat erzählt von dem fehlenden Stück Oberleitung.

[b][2][/b] Solche Abschnitte gibts ziemlich oft! Lockere Kleineisen und deswegen mit jeder Achse rauf und runter wippende Schienenenden sind da noch das harmloseste, seit 1913 nicht mehr gewechselte Schienen mit Krupp-Aufschrift findet man auch an vielen Stellen, krumm und schief, und im Ausbesserungswerk Yogjakarta sah ich eine Schiene im Einfahrtsbereich des AW, also da wo jede zu reparierende und reparierte Lok durch muss, die so abgefahren war, dass der Schienenkopf auf einer Länge von 3m kaum noch da war...

[b][3][/b] 'Orang Goreng' - 'Orang' kennt man von 'Orang Utan', einer rotzotteligen Menschenaffenart aus Sumatra und Borneo, die beiden Wörter heissen wörtlich übersetzt 'Waldmensch'. 'Goreng' kennt man hier hauptsächlich aus den Asia-Restaurants oder von Dosen im Supermarkt mit nicht authentisch schmeckendem Inhalt weil meist zu viel Curry und fälschlicherweise statt Hühnerfleisch 'Spam' (dieses Dosenfleisch) verwendet wird, 'Nasi Goreng' und 'Bami Goreng' wird dieses Gericht genannt, wörtlich mit 'Gebratener Reis' oder 'Gebratene Nudeln' übersetzt.

[b][4][/b] Kereta Api - wörtlich als 'Wagen' und 'Feuer' übersetzt, ist aber auch gleichzeitig die Bezeichnung der staatlichen Eisenbahngesellschaft Indonesiens, um genau zu sein: PT. Kereta Api (Persero).

[b][5][/b] Inca ist ein indonesischer Hersteller von Eisenbahnfahrzeugen, ansässig in Madiun in Ost-Java. Inca baut die gesehenen Triebwagen, aber auch Lizenznachbauten der General Electrics U20C Dieselloks, welche dann bei Kereta Api als Reihe CC203 fahren, und auch Bahndienstfahrzeuge.

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