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Auf der Suche nach der Normalspur

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 17.05.2006 08:27
von 52_2006 • 374 Beiträge
Auf der Suche nach der Normalspur

Bei meinem 2005er Indonesien-Urlaub (schnüff, schon wieder vorbei) habe ich wieder einige Eisenbahnexkursionen unternommen. Dabei sind mir wieder allerhand historsiche Sachen vor die Linse gekommen. Zunächst möchte ich etwas anschneiden, was relativ unbekannt sein dürfte.

Indonesien ist als Kapspur-Land (1067mm) bekannt, daneben wissen auch viele, dass es vor allem auf Java Zuckerrohrbahnen mit 600 bis 760 mm Spurweite gibt, zum Teil heute noch Dampfbetrieben. Was aber kaum bekannt sein dürfte, dass auch die Normalspur 1435 mm einst auf der Insel Java verwendet wurde. Die Netherland Indies Railway Company (NIS) verlegte 1864 die ersten 25 km in Normalspur. Relativ zügig wurden dann der Hafen von Semarang mit der Stadt Yogjakarta (beides im Osten Mitteljavas, bzw. Yogja ist ein eigenes Sultanat) über Solo (Surakarta) miteinander verbunden. Es gab ausserdem eine Stichstrecke nach Ambarawa (heute Eisenbahnmuseum mit sehr sehenswerten Kapspurdampfern, u.a preus. P4.6) und die Strecke wurde über Yogjakarta in Richtung Süden verlängert, um die dortigen Zuckerrohrfabriken zu bedienen. Das Normalspur-System Mitteljavas fand in den frühen 1940ern ein jähes Ende, als die Japaner, die zu der Zeit Niederländisch Indien (Indonesien) besetzten, alle Strecken auf Kapsur umspurten und die Lokomotiven in die Manschurei (japanisch besetzter Teil Chinas) abtransportierten. Ob die Lokomotiven dort ankamen, ist jedoch ungewiss, genauso gut können sieh heute noch auf dem Grund des Süd-Chinseischen Meeres in von den Amerikanern oder Australiern versenkten Schiffen vor sich hinrosten.

An Lokomotiven wurden anfangs ausschliesslich B1'-Schlepptenderlokomotiven mit dem für England typischen Innentriebwerk von Beyer-Peacock eingesetzt, Lokomotiven NIS 1-60 (?), ab etwa 1900 kamen auch Hartmann 2'C (NIS 89-94) und 1'D (NIS 61-68) Schlepptenderlokomotiven zum Einsatz, kurz vor Ende wurde sogar eine 2'C stromlienienverkleidete Schlepptenderlokomotive geplant, Werkspoor sollte sie bauen. Es muss noch weitere Loktypen gegeben haben, aber dazu habe ich bisher noch keine Angaben gefunden. Auch die Reisezugwagen waren vergleichsweise modern, es kamen anscheinend ausschliesslich vierachsige Drehgestellwagen zum Einsatz, die Personenwagen mit seitlichem Gang und Einzelabteilen.

Ich habe mich schon lange gefragt, was von dem 1435 mm System übrig geblieben ist, irgendein Lokwrack in der Manschurei? Nein, da ist mit noch nichts zu Ohren gekommen. Aber dieses Mal sollte ich Überbleibsel zu sehen bekommen. Das erste Überbleibsel begegnete mir bei der Besichtigung des Personenwagen und Triebwagen-Ausbesserungswerkes 'Unit Pelaksana Teknis Balan Yasa Manggara' in Jakarta:


In der hinteren (dunklen) Ecke einer der großen Halle standen zwei (für Indonesien) ungewöhnlich große Drehgestelle. Sie stammen von vierachsigen Personenwagen mit der Spurweite 1435 mm. Sowohl der Raddurchmesser als auch die Gesamtgröße unterscheiden sich deutlich von den im Werk sonst aufzuarbeitenden Drehgestellen. Leider waren an den beiden Drehgestellen keine Fabrikschilder mehr vorhanden (oder wir haben sie in der Dunkelheit nicht gefunden).

Ein paar Tage später stand die Besichtigung des Ausbesserungswerkes für Dieselelektrische (General Electrics und General Motors) und dieselhydraulische (Krupp, Henschel, Jenbacher) Lokomotiven in Yogjakarta auf dem Programm. Treffpunkt war 9:00 Morgens, ich wurde aber von der Familie schon früher dorthingebracht, und musste so vor dem Haupteingang des Werkes auf die mich begleitenden Eisenbahnfreunde warten, die hatten ausserdem die Besuchserlaubnis aus dem Hauptquartier der Bahn in Bandung in der Tasche. Dabei fielen mir zwei zu Sitzbänken umfunktionierte Eisenbahnschwellen auf, die ungewöhnlich breit waren:


Darauf warten von links nach rechts: Frau, Schwiegervater (dummerweise hinter Helm), Schwiegermutter (da ist sie wieder...) und Fahrer. Kapspur war das nicht, sondern 1435 mm!

Die eigentliche Besichtigung des Werkes - wir haben alles - wirklich alles einschliesslich der zu verschrottenden Krupp- und Henschel-Loks und eines Dampfkranes, des alten Ringlokschuppens und des Trainingscenters zu sehen bekommen - brachte dann noch einige Relikte aus 1435mm Zeiten zu Tage:


TC probiert hier gerade, wie breit 1435 mm sind! Eine völlig neue Erfahrung für ihn.


Treffen der Spurweiten: Im Vordergrund eine Mini-Drehscheibe für 600 mm Loren, auf denen früher schwere Lokomotivteile über das Werksgelände transportiert wurden. Die kleine Drehscheibe in der Mitte ist sowohl für Kapspur als auch für Normalspur geeignet. Dahinter nochmal das Gleis, welches TC oben 'ausgemessen' hat.


Nachmittags, beim Verlassen des Werks fiel mir dann noch diese 'Skulptur' auf, welche den Eingang des Werkes schmückt. Es fiel mir sofort auf, dass hier was nicht stimmte, denn auch ich hatte mich mittlerweile an die 'Normalbreite' der Kapsur gewöhnt. Irgendwie zu breit, und beim groben Abschätzen war es dann klar, dass es sich auch hierbei um 1435 mm handeln musste!


Letzte Überbleibsel auf Java von normalspurigen Loks. Nach einem Bildvergleich mit den Abbildungen in meinen Büchern über die indonesische Eisenbahn kann es sich nur um die Kropfsachse einer der B'1 Schlepptenderlokomotiven von Beyer-Peackock handeln.

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