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Palmen, Zucker und Dampf - Teil 2 - Olean (m26B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 09.10.2006 20:39
von 52_2006 • 374 Beiträge
Planmäßiger Dampflokeinsatz im Jahr 2006, wo kann man das noch finden? Ich meine keine Museen. In China ist es so gut wie vorbei, seit dem Ende des Jahres 2005 der Dampfbetrieb mit den großen QJ-Loks auf der Jitong-Linie zugunsten moderner Dieseltraktion eingestellt wurde. Ja, dann wird es schon schwerer, in China soll nur noch Dampfbetrieb auf Industriebahnen sein, und dort sollen sich die internationalen Eisenbahnfotografen derzeit die Klinke in die Hand geben. Aber wo noch? Achja, für unsereins naheliegend, in Deutschland, HSB, Rasender Roland, Pressnitztalbahn, Molli, usw. - Reichsbahndampf im Schmalspurformat vom Feinsten. Syrien und Jordanien, zwei Teilstücke der ehemaligen Hedjaz-Linie wird dann noch jemand einwerfen, und manch einer hat von der Reaktivierung von Dampfloks in Rio-Turbio in Argentinien gehört, und da unten in Patagonien gibts ja auch noch diese andere Bahn, La Trochita, ach und dann war da noch die Darjeeling-Bahn, die sogar Weltkulturerbe ist. Aber war es das? Nein. Da ist auch noch das kaum beachtete Indonesien, gerade gestern kam über die (Steam_in_Java) Mailingliste herein, dass jemand vier Wochen auf eigene Faust unterwegs war, und er konnte die anderen den Zuckerbähnchen nachjagenden Langnasen an einer Hand abzählen. Naja, China ist eben beliebter, auchbei den Modellbahnherstellern. Die kaum beachteten, zumindestens zwischen Juni und Oktober/November größtenteils täglich Schwerstarbeit leistenden javanischen Lokomotiven und ihre Personale und Betreiber möchte ich mit dieser Serie würdigen. Soviel zum nachgelieferten Vorwort der Serie.

Ich würde gerne mal wissen, wo noch mehr Schmalspurdampfloks während der Saison im regulären Einsatz sind, in Java, oder in den Neuen Bundesländern?

7. September 2006

In der PG Asembagus hatten wir wegen dem Defekt an der Treibstange der O&K Lok 11 nicht die Gelegenheit bekommen, hinaus in die Felder zu fahren. Da herumstehende Loks eher enttäuschend sind, auch wenn sie vor sich hinköcheln, blubbern und zischen, und auch wenn der Applaus auf den ersten Teil schon sehr positiv war (Danke dafür auch nochmals an dieser Stelle), so richtig prickelnd wäre an dem Tag doch eine Fahrt in die Felder gewesen, Zuckerdampfzug in der Landschaft. Das sollte doch machbar sein. Da die PG Olean nur wenige Kilometer weiter ist, und wir außerdem sowieso in Situbondo in der Nähe der PG übernachteten, haben wir dann Asembagus den Rücken gekehrt und sind weiter. Jeder, der bereits die javanischen Zuckerfabriken besucht hat, erklärte bislang Olean zum Highlight. Um es vorweg zu nehmen, für mich war es ein Highlit zwischen noch ein paar anderen, also auch die anderen Fabriken sind ein Erlebnis, ich hoffe auch, dass bei meinem nächsten Besuch in Asembagus wieder mehr abgeht, Bilder, die ich gesehen habe, sind sehr vielversprechend. Wir kamen dann in Olean an, ich hatte TC beim Navigieren durch Situbondo kräftig unterstützt, schließlich ist ja die ganze Gegend in Google-Earth bereits hochauflösend drin. Er hat die Formalitäten in der Hauptverwaltung erledigt, während Bernhard, unser Fahrer und ich im Auto warteten. Dann wieder aus der Fabrik raus, hinten rum zum Hintereingang, da wo die Feldbahngleise das Werk verlassen, und TC erkundigte sich beim Wachposten, wo die 'Kleinen' sich gerade rumtreiben würden. Der Posten nannte den Ortsnamen, und TC navigierte uns westwärts auf einem asphaltierten Feldweg entlang der Gleise durch die Felder. Durch eine Mangoplantage konnte ich schließlich als erster den Qualm und etwas schwarzgrünes erspähen. Vor uns ein Bahnübergang, und da ging ein Gleis in die Plantage hinein, und in die andere Richtung auf dem selben Gleis, aber ein ganzes Stück weiter weg erspähten wir dann auch gleich die zweite Lok, wie sich später herausstellte, Lok 5.
Zunächst, da näher, sind wir erstmal zu der Lok hinter der Plantage. Es war Nummer 4, die auch SEMERU heist. Diese wartete auf Nummer 5 "BROMO", wie wir erfuhren, würde die nächsten Tage das immer so gemacht. Die beiden Namen der Loks SEMERU und BROMO sind übrigens hohe Vulkane in der Provinz Ost-Java. Lok 7 heist HIYANG, auch das ein Berg, die setzt sich aber erst später in Szene.


Dann möchte ich euch zunächst mal Nummer 4, O&K 5330/1912 vorstellen. Es handelt sich hierbei um einen für Java typischen D-Kuppler mit Klien-Lindner-Hohlachsen, fast jede Zuckerfabrik Javas hat/hatte wenigstens eine Lok dieser Bauart. Auch Sindanglaut setzte bis zuletzt (2001) auf diesen Typ.


Da Nummer 4 nicht besonders fotogen im Schatten stand, hab ich dann mal gesehn, was aus Nummer 5 zu machen ist. Es handelt sich dabei auch um einen Klien-Lindner-D-Kuppler O&K 9358/1920. Beide Loks waren früher mit der selben Betriebsnummer bei der PG Pajarakan. Ich bin erstml dem Gleis gefolgt, an die Lok ran, und schon gings los: "Hello Misterrr, dari mana?" "Saya dari Jerman" - nachdem meine Nationalität geklärt war, richtete der Lokfüher sein Augenmerk auf meine knallgelbe SWR-Baseballkappe und bot mir dafür seine abgenutzte Kopfbedeckung an. Die Kopfbedeckung eines Lokführers, keine Uniformmütze sondern eine abgenutzter alter brauner Cordhut, und dagegen soll ich meine nigelnagelneue Baseballkappe austauschen? Ich überlegte zunächst einen Augenblick, soll ich oder nicht? Inzwischen war das Ding auf meinem Kopf und er hatte Meine! Ein Gag wäre es ja schon, aber viel zu klein für meinen Dickschädel. Die SWR-Mütze hatte ich schon meinem Schwiegervater versprochen, und zunächst brauchte ich das Ding, denn die Sonne am Äquator kennt kein Erbarmen. Mit dem seinem Ding, wenn ich damit im Hotel aufgetaucht wäre, oh weh! Also dankend abgelehnt, höflich zurückgetauscht, und erstmal etwas Abstand, um zu versuchen, ob ich irgendwie den kompletten Zug drauf bekomme. Auch hier machte mir das Gegenlicht, um genau zu sagen, das Licht stand genau im Rücken der Lok, die Aufnahme schwer, aber wenigstens ist so die Silhouette dieses markanten Berges im Westen Situbondos gut erkennbar.


Dann setzte sich Lok 5 in Bewegung. Im Vordergrund ein recht frisch angepflanztes Zuckerrohrfeld für die nächste Saison. Der Berg ist im Dunst ersoffen.


Dann überquert sie den Feldweg und die Bewässerungskanalbrücke, man beachte auch den emsigen Sandstreuer, der waghalsig auf der Pufferbohle turnt. Während auch der Heizer im Tender rumturnt, ist der Lokführer auf dessen Seite gewechselt, ich erwische ihn aber noch, bevor er wieder auf seine Mütze aufmerksam macht, seht ihr sie? Das wäre meine Trophäe gewesen... Ich zwänge mich knapp, hastig und wortlos noch vor der Lok in die Schneise und renne ihr vorraus. Von hinten höre ich noch das englische Wort "hat", mehrmals.


Hinter mir angestrengtes Zischen, Fauchen, Räder durchdrehen, Stillstand, Feuertürgeklapper, neuer Versuch, und das mehrere Male, bis dann zunächst der Sandstreuer kommt. Inzwischen von der Lok abgesprungen, er hat nun eine improvisierte Sandschaufel aus Zuckerrohr und läuft gebückt vor der Lok her, und schaufelt emsig den schon mindestens 1000 Mal von den Lokrädern zermahlten Sand knapp vor der Pufferbohle auf die Schiene. Dann hat sie es endlich um die Ecke geschafft und ich digitalisiere sie zusammen mit der schon länger wartenden Nummer 4.


Wir sind dann zum Auto zurückgerannt, hinein, und den Feldweg zurückgefahren. Schon an der nächsten Ecke haben wir die schwer keuchende Dampflok wieder eingeholt und einige Bilder gemacht, wegen Gegenlich aber zunächst nichts wirklich prickelndes. Aber was solls, ist ja digital, genug Speicherkarten in der Tasche und im Hotel war das Notebook, vielleicht wird ja das eine oder andere Bild im Gegenlicht nach Bearbeitung ganz reizvoll? Wir überholten sie dann und ließen sie mehrmals an uns vorbeiziehen, dabei winkte der Lokführer immer mit seiner Mütze und deutete auf mich, hoffentlich komme ich da wieder raus... Die Lok keuchte, zischte und schleuderte die ganze Zeit neben dem Feldweg nebenher, und dann, wahrscheinlich immer an der selben Stelle ging ihr der Dampf aus. Der Zug hielt an, es wurde Brennstoff nachgelegt, während der Lokführer sich neben dem Gleis in eine kleine Hütte, die wohl aus genau diesem Grund dort stand, hinlegte und ausruhte. Diese Situation zeigt das Bild oben.


Nachdem dann der Dampf frisch gekocht war, lies ich den Zug an mir vorbeirumpeln, und stieg wieder ins Auto ein. Über den Loren kann man den Schornstein der PG Olean sehen.


Der Zug wirbelte nun viel Staub auf, also nix wie vorbei. Es gelang mir dann diese Aufnahme mit der Konfronation zwischen Dampf- und Muskelkraft betriebenen Fahrzeugen. Der Bejak-Fahrer sitzt hinten unter den Bäumen auf der Bank und beobachtet die orang gila lokomotiv uap (verrückte Dampflokleute) (Bejak ist die javanische Bezeichnung einer Ritschka).


Von der Stelle braucht man sich nur rumzudrehen und kann den Zug dabei beobachten, wie er in das Werksgelände der Zuckerfabrik einbiegt. Das Innere der Fabrik wollten wir aber für den Tag das Innere der Fabrik sein lassen, denn das sollte am nächsten Tag zwischendurch ausführlich erkundet werden. Wir beschlossen den Tag zusammen mit der Familie in einem Rumah Makan Ikan Bakar bei leckerem frisch gebackenen Fisch in Chili-Kejap-Manis-Sauce und einigen Flaschen Bir Bintang, bis die Bäuche beinahe platzten. (Kejap Manis ist diese zähflüssige süße Sojasauce, und was könnte wohl Bir sein?)

8. September 2006

Die Nacht ging recht beschwerdefrei rum, nachdem wir die Klimaanlage in dem Zimmer endlich zum Laufen gebracht hatten. Nach dem Frühstück im Hotel (Hotel Rosari, Situbondo) haben wir uns dann sofort wieder zu viert nach Olean aufgemacht. Eintritt hatten wir ja schon am Vortag entrichtet, und so wurden wir dan auch gleich freundlich begrüßt und durchquerten das Gelände, um zum Lokschuppen zu gelangen.


Nummer 5 und dahinter Nummer 7 waren angeheizt und sollten bald ausrücken.


Die gleiche Szene von der anderen Seite, man beachte den Brennstoff: Geknackte und entleerte Kokosnüsse!


Nummer 4 war bereits aus ihrer Schlafstätte ausgerückt und hatte einen Leerzug am Haken. Hier begegnete mir auch der Lokführer vom Vortag, er fragte zum Glück dieses Mal nicht nach meiner Mütze, aber er lächelte.


Das ist die Stelle, wo ich am vorigen Abend die letzten beiden Bilder gemacht hatte. Jetzt hing hier Wäsche zum Trocknen zwischen den Bäumen, ob die jemals sauber von der Leine runter kommt?


Beine in die Hand, Lok überholt, und von einer erhöhten Stelle noch einen Nachschuß.


Wir, das heist Bernhard und ich, sind dann auf freundliches Winken des Lokführers (Nicht der mit der Mütze) auf die Lok geklettert, und mit gefahren.


Auch Bernhard hat einen Hut. TC ist ins Auto und hat den Fahrer dann ins Feld gelotst.


Der Meister am Regler. Er ist bereits mit einer attraktiven Baseballkappe ausgestattet.


It's all green, there. Das ist fast wie Irland, das ist etwa die Stelle, wo wir am Vortag Nummer 4 zuerst entdeckten. Dieses Mal stand die Sonne perfekt.


Ich bin dann nochmal auf eine fahrende Lore geklettert (vorischt, gefährlich), durch die Schneise durch die Mangoplantage und auf dem Feldweg, da war auch schon Schwiegervaters Auto mit dem Fahrer und TC, abgesprungen, ein paar Meter den Feldweg weiter, und dann dieses Foto.


Während der Fahrt sind immer mehr Arbeiter auf den Zug aufgesprungen, um sich die letzten Meter bis zum Feld mitziehen zu lassen. Ich bin dann dem Zug hinterhergerannt, mit der letzten Luft auf die letzte Lore raufgesprungen, wo ich schon freundlich begrüßt wurde. "Hallo Misterrrr, dari mana?" Die paar hundert Meter bis zum Anhalten des Zuges vergingen während einer Unterhaltung mit einigen Erntekräften in halbwegs gutem Englisch recht kurzweilig. Vorne waren dann auch schon Wasserbüffel zu sehen. Der Viehhirte war damit beschäftigt, Zweien das Zaumzeugs umzuschnüren. Zu TC sagte er etwas, TC übersetzte mir, dass ich weiter weg gehen solle, irgendwo hinter die Loren, die Wasserbüffel würden Langnasen nicht so mögen, und dürften Bernhard und mich nicht sehen. Also vorsichtig ein paar Meter zurück und ins benachbarte Zuckerrohrfeld und wieder rangepirscht.


Die Wasserbüffel waren inzwischen hergerichtet, und der Viehhierte präsentierte uns stolz die bullenstarken Zugtiere, bevor er sie vor die ersten 10 Loren spannte.


Doch Stärke nützt nichts, wenn die provisorischen Gleise nicht vernünftig verlegt sind, und so hüpfte dann gleich nach ein paar Metern die zweite Lore aus dem Selben.


Der Zug entschwandt dann in der Ferne, wie ich gestern aus einer Mail von einem anderen Besucher erfuhr, war das provisorische Gleis in die Felder über einen Kilometer lang.


Das nächste Team aus Büffeln und Viehtreiber übernimmt die nächsten 10 Loren. Das ging mehrmals so, die Lok holte zwischendurch den Rest des Zuges an die Weiche heran, die Büffel übernahmen wieder 10 Wagen, bis das Gleis wieder für die Rückfahrt der Lok zur Fabrik frei war.


Lok 4 auf dem Rückweg zur Fabrik beim Überqueren eines Bewässerungskanals.


Ein Stück weiter, nein, keine Wasserbüffel, sondern Kühe. Damit beende ich diesen Teil erstmal, aber keine Angst, es wird noch mehr von Olean zu sehen geben, zunächst das Innere des Werksgelände und der Maschinenhalle.

Ps: Noch eine Kleinigkeit am Schluß dieses Teils, die SWR-Mütze hat inzwischen mein Schwiegervater, aber falls ihr mich nächstes Jahr irgendwo bei Sonnenschein treffen solltet, ich habe noch eine! ;-)

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