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Palmen, Zucker und Dampf - Teil 3 - Olean (m27B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 10.10.2006 20:56
von 52_2006 • 374 Beiträge
8. September 2006


Bevor wir in das Werksgelände hinein gingen, lichtete ich noch schnell das Melasselager ab. Es handelt sich dabei stilistisch wie die gesamte Fabrik um ein typisches holländisches Kolonialgebäude, allerdings die schwer abgestützten Wände waren dann doch so ungewöhnlich, dass ich es festhalten musste, solch ein Gebäude könnte eines Tages ein schmuckes Detail auf einem H0e-Feldbahnmodul sein. Auf dem Absatz sieht man übrigens TC, an der Stelle habe ich auch im letzten Teil den Nachschuss auf die rückwärts fahrende 4 gemacht. Melasse ist eine schwarze klebrige Flüssigkeit, sieht beinahe aus wie Rohöl, die bei der Produktion des Zuckers als Nebenprodukt entsteht, und extrem nach Caramel riecht. Ich vermute mal, dass in dem Gebäude große gemauerte Becken sind, die auch gleichzeitig die Außenwand des Gebäudes darsstellen, und dass evtl. deswegen und wegen der großen Lagerkapazität dieser Becken die Mauern so abgestützt werden müssen. Die Melasse wird von der Zuckerfabrik zunächst in das Melasselager gepumpt und von da an die chemische Industrie weiter verkauft, der Abtransport erfolgt mit LKWs der staatlichen Petroliumgesellschaft PERTAMINA. Ich bin kein Chemiker (vielleicht liest ja einer hier mit?), auf jedenfall weis ich:


(Museum Gula, PG Gondang Baru, Klaten, Mitteljava)

Was in die Zuckerfabrik rein geht:

Zuckerrohr
Kalk
Schwefel
Kohle (wird in manchen Fabriken gebraucht, um den Kalk selbst zu brennen)

Was rauskommt:

Zucker
Bagasse (ausgepresstes Zuckerrohr)
Melasse (muss also aus Kalk, Schwefel und weils so süß riecht auch aus Zucker bestehen, und das alles in dickflüssiger Form)

Was die Chemie-Indutrie mit der Melasse macht, keine Ahnung. Beim Zucker kann man es sich ja denken, allerdings produzieren die ca. 50 Zuckerfabriken Javas nicht genug Zucker für den Eigenbedarf des Landes, und das nicht nur wie z.B. als Spezialität in Tegal (Nordküste Mitteljavas) eine kleine Moccatasse mit einem großen Zuckerklumpen mit ein bischen mehrmals aufgebrühtem schwarzen heißen Tee drumherum. Es muss somit neben Reis auch Zucker teuer aus dem Ausland zugekauft werden, denn Indonesier sind, man kann es bei dem scharfen Essen erstmal garnicht glauben, ziemliche Süßmäuler. Daher werden derzeit auf der Insel Sumatra und Kalimantan (Borneo) weitere Zuckerfabriken gebaut, beim Überflug von Ost-Sumatra nach Singapur konnte ich riesige Schachbrett-artige Felder sehen, wo laut Schulatlas eigentlich Regenwald sein müsste, vielleicht waren das ja teilweise Zuckerrohrfelder. In diesen Zuckerfabriken gibts übrigens keine Feldbahnen, und daher kehren wir jetzt von diesem Exkurs nach Olean zurück.


Nummer 4 hat sich mittlerweile vor den nächsten Leerzug gehängt, und soll diesen in die Felder hinaus ziehen. Wir sind dann erstmal in den Lokschuppen rein.


Nummer 1 (ex Prajekan 3, O&K 9382/1920) stand kalt im Lokschuppen, sie benötigte irgendwelche Streicheleinheiten. Das Stativ lag dieses mal zumindestens im richtigen Auto, so entschloss ich mich, später nochmal hier her zu kommen, und zeige die anderen bei dieser Gelegenheit entstandenen Bilder lieber nicht.


Wieder draußen, und die 4 am Lokschuppen, offensichtlich benötigte sie doch erst noch ein paar Vorräte, bevor es wieder raus in die Felder ging.


Auch in Olean spielen LKWs eine gewisse Rolle, und zwar überall da, wo die Zuckerrohr-Felder keinen Gleisanschluß (mehr) haben. Der LKW fährt unter den Blockkran, es liegen bereits Seile in der Lademulde, bevor der Zucker auf dem Feld auf den LKW aufgeladen wird, so dass die zum Entladen nur noch am Blockkran eingehängt werden müssen, und schon lässt sich das Zuckerrohr en Bloc hochheben. Der LKW bekommt während dessen mit einem Drahtseil eine per Muskelkraft herbei geschobene Lore angehängt, fährt soweit vor, dass die Lore unter der Ladung steht, diese wird auf die Lore abgeladen, und der LKW zieht die volle Lore noch ein paar Meter weiter, wo noch mehr Loren zu einem Zug zusammengekuppelt werden.


Während dessen warten weitere Loren an der Gleiswaage darauf, zum nächsten LKW geschoben zu werden.


Diese von den LKWs beladenen Loren werden von dieser nummernlosen Diesellok (die gleiche Type wie Asembagus Nr. 2 und 4) in die Abstellgruppe geschoben. Die vordere Plattform an der Lok verläbgert den Puffer so, dass er unter der Ladung hindurch an dem Puffer der Lore 'andocken' kann. Die Lok hat auch hinten eine solche Plattform, auf der zwei Gegengewichte angebracht sind, so dass die Lok von der beladenen Lore nicht aus dem Gleis gehebelt werden kann. In den Mulden der Plattformen lagert zusätzlich Sand, um bei Bedarf die Reibung erhöhen zu können.


Die Abstellgruppe befindet sich wieder unter großen schattenspendenden Bäumen. Im Vordergrund wird gerade am Gleis gebastelt. Nachdem die Herren die Reparatur fertig hatten, fuhr die Diesellok vorsichtig darüber hinweg, um zu testen, ob es hält. Links sind Loren angeschnitten, die vor der Entladestelle für das Mahlwerk warten.


Die zu entladenen Loren werden per Seilwinde aus der Abstellgruppe gezogen.


Die Seilwinde wird, wie soll es auch anders sein, per Dampf angetrieben!!!


Tagsüber werden allerdings hauptsächlich LKWs entladen. Die Loren dienen als Zwischenlager für die Nacht oder als Lückenfüller, wenn keine LKWs kommen, denn das Mahlwerk läuft rund um die Uhr und sollte auch nicht leer laufen.


Im inneren der Halle findet man dann wieder solche Trümmer.


Und auch solche Kleine.


Das sind einige Stufen des Mahlwerks, in Bildmitte liegen ein paar gebrauchte (?) Mahlwalzen.


Ein weiterer Blick auf einen der das Mahlwerk antreibenden Dampfzylinder.


Diese Pumpe führt, wie sicher zu erraten, dem Zuckersaft Kalk zu. Es wird auch irgendwo hier der Schwefel hinzugefüht, und das Zeugs wird in großen Tanks gekocht, wodurch der Wasseranteil stark reduziert wird.


Dieses Wirrwar aus Transmissionsriemen treibt diverse Förderbänder zur Beförderung der Bagasse aus dem Mahlwerk in den Hochbunker (im Bildhintergrund) für die Dampfkesel der Fabrik an. Außerdem werden darüber diverse Zentrifugen (blau rechts oben) angetrieben, die den Kristallzucker von der Melasse trennt. Allerdings bekommen hier nicht alle Transmissionen ihre Kraft aus Dampfmaschinen, auch einige uralte E-Motoren verrichten hier ihre Arbeit.


Dort ist auch dieses große Planetengetriebe in Aktion zu sehen.


Das ist die Melassepumpe, die diese Brühe über eine Pipeline zu dem Melasselager pumpt, was ich eingangs zeigte. Genau wie die Kalkpumpe kleckert sie ein wenig.


Und hier, juchuu, das Endprodukt, was über einige Schhüttelrutschen und Sieben zuvor noch mechanisch und magnetisch gereingt wurde.


Das Endprodukt wird dann verladen, und zum Lagerhaus rübergebracht. Ganz früher gab es laut Rob Dickinson auch ein Gleis von der Fabrik in die Stadtmitte von Situbondo, wo der Zucker auf die Panji-Bahnlinie umgeladen werden konnte.


Ich wollte dann unbedingt nochmal die Feuerkessel sehen, also sind wir nochmal ein paar Meter zurück, und dann ein paar Leitern und Treppen rauf, und da lag dann auch gleich ein Herr in der Bagasse. Hier oben war es recht dunkel, so dass dieses Bild leider trotz Luft anhalten nicht scharf zu bekommen war, aber das musste ich trotzdem hier einstellen.


Wenn man sich das so anschaut, sind das eher gemauerte Öfen. Die Förderbänder oben links transportieren unaufhörlich die Bagasse aus den Mahlwerken heran und rieselt in die Öfen. Unten am Bildrand sieht man einen Mann, der sitzt vor dem Feuerschlund und schubst die Bagasse hinein, wenn sie mal hängen bleibt.


Diese Herren arbeiten zwei Stockwerke unten drunter,sie schüren das Feuer von unten, und ziehen die ausgebrannte Asche aus dem Ofen.


Die Lichtverhältnisse hier unten waren schon extrem, das einzigste was mir wenigstens so gelang, dass man erkennen kann, wie diese Herren arbeiten, war dieses hier. Blitz konnte man vergessen, dann leuchtete das Feuer nicht mehr.


Zum Abschluß noch ein Blick durch eine Luke ins Innere des Ofens. Die Wasserrohre sind ziemlich dick, und es wird darin ein Dampfdruck von 6 Bar erzeugt, der alle Dampfzylinder antreibt.


Chronologisch haben wir dann erstmal Mittagspause gemacht, das heist wir sind nach Situbondo rein, TC hat uns zu einem Rumah Makan geführt, und da gabs dann erstmal Bir Bintang und Bami Goreng (nicht zu vergleichen mit dem Dosenfraß aus deutschen Supermärkten!). Danach haben wir, da auch in Olean noch Ruhepause war, einen kleinen Abstecher zur PG Wringinanom gemacht, die nur einen Steinwurf von Olean im Westen liegt. Aber das ist ein anderer Teil, als nächstes schauen wir uns dann noch mal kurz auf dem Werksgelände von Olean rum und suchen dann nochmal einen beladenen Zug draußen in den Feldern, und dann nochmal mit Stativ in den Lokschuppen!

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