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Palmen, Zucker und Dampf - Teil 5 Wringinanom und andere Kleinigkeiten (m25B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 12.10.2006 21:56
von 52_2006 • 374 Beiträge
8. September 2006

Chronologisch zwar falsch, aber ich wollte unseren Minibesuch in der PG Wringinanom, welchen wir nach unserem Mittagsessen einschoben, nicht auch noch zwischen die Olean-Berichte dazwischen schieben. Ich lagere diesen Kurzbesuch daher in einen eigenen Beitrag aus und hänge am Ende noch ein paar andere Kleinigkeiten dran, die wir am nächsten und übernächsten Tag unterwegs mitnahmen.


Das erste was man von der PG Wringinanom mitbekommt, ist die Denkmallok Nummer 01. Dies ist allem Anschein eine O&K-Lok, leider ist sie als 01 nicht in der Liste von Rob Dickinson, vermutlich, weil sie eben nicht mehr auf dem Werksgelände steht. Oder aber es handelt sich dabei eigentlich um die Lok 2, die in seiner Liste als "preserved" vermerkt ist, dann wäre es O&K 10738/1924.

Sie steht an einer sehr prominenten Stelle, nämlich direkt an der Hauptstraße westlich von Situbundo. Diese Hauptstraße ist die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Surabaya/Pasuruan und Banyuwangi/Bali, und hier reihen sich die Zuckerfabriken dran auf , fast wie auf einer Perlenschnur.

Für mich ist diese Lok sehr wichtig, nicht weil sie was besonderes ist - von der Type sind noch so einige im Einsatz - sondern, weil sie die erste Feldbahn-Dampflokomotive ist, die ich auf Java gesehen habe. Das war 2001 bei meinem ersten Urlaub auf Bali. Damals sind wir mit dem Auto von Bandung nach Bali und zurück gefahren. Zu dem Zeitpunkt wusste ich so gut wie nichts über die Eisenbahnen Indonesiens, im Reiseführer wurde in einem Nebensatz das Eisenbahnmuseum in Ambarawa erwähnt, und glücklicherweise hatte ich meine Schwiegereltern davon überzeugt, dort einen Zwischenstopp zu machen (siehe Kondenslokforum, da sind die Bilder von damals drin), hat sich wirklich gelohnt!

Dann weiter unterwegs nach Bali habe ich am Straßenrand öfters mal Gleise gesehen, mal in ganz schlechtem Zustand, teilweise sogar ohne Schwellen, nur die Schienen an sich zogen sich kilometerweit an der Straße entlang, mal stand ein Haus drauf, mal waren die Schienen noch da, aber die dazuehörige Brücke über den Bach fehlte. Und dann waren da auch Schmalspurgleise, die sahen aus wie frisch benutzt, aber die Schwiegereltern, ob sie wohl den Ausbruch des Keretapi-Virus so verhindern wollten, erzählten auf meine Frage nach dem Zweck dieser Schienen, dass die noch aus dem 2. Weltkrieg da liegen würden, und die schon lange nicht mehr benutzt worden sind.

Und dann stand da diese 01 am Straßenrand, von Zuckerfabriken, Wringinanom liegt keine 100 Meter von der Lok weg, wusste ich nichts. Ich wusste auch nichts von Olean, nichts von der PG Panjii (nur Dieselloks) ganz in der Nähe und nichts von der PG Asembagus. Obwohl die letzten drei alle an der selben Straße nur wenige Kilometer auseinander liegen. Jedenfalls stand ich damals vor der Lok auf dem Sockel, machte ein paar Fotos, ein alter Mann versuchte mir in einem ostjavanischen Dialekt zu verstehen geben, dass es da hinten noch mehr gibt, niemand aus der Reisegruppe verstand ihn, und weiter gings. Da war dann noch die rote Diesellok, die direkt am Straßenrand vor sich hintuckerte, Numer 5 der PG Panjii, und mehr habe ich damals nicht mitbekommen. Die Vorfreude auf Bali war zu groß, als dass ich mir darüber Gedanken machte.

Wenigstens erwischte ich damals auf dem Rückweg von Bali nach Bandung noch eine Krupp D300 an einem Bahnübergang, und später in Bandung habe ich dann auch noch einmal den Bahnhof besucht, und war sofort Feuer und Flamme für die General Electrics U18C Loks der Baureihen CC201 und CC203, wenigstens das war ein guter Anfang für das Gedeihen des Virusses. Ich habe mir dann in den A* gebissen, als ich wieder in Deutschland war, die Filme waren entwickelt, und ich hatte über Google Rob Dickinsons Webseite entdeckt, und da war dann die ganze Dampfpracht zu sehen.

Die erste Zuckerfabrik, die ich besichtigte, war PG Sindanglaut im Jahr 2003, der Besuchsbericht zu der Fabrik ist unten verlinkt. Und Sindanglaut war dann gleich ein Volltreffer, wie jeder an den Bildenr nachvollziehen kann. Aber zurück zum 8. September 2006.

Wir standen dann vor der Fabrik, kostet Eintritt, und TC sagte "No active Steam", aber man könnte doch irgendwie mal kurz neugierig lunsen ohne gleich zu blechen? Es gibt doch sicher einen Hintereingang... TC zögerte nicht lange, lotste unser Auto um die Fabrik herum, immer den LKWs mit dem Zuckerrohr hinterher, und dann kamen auch schon Gleise aus dem Werksgelände. Wir haben dann das Auto in sicherem Abstand geparkt, und sind geschwind rein, und zum Schuppen.


So sieht es da aus. Diema von hinten,...


... Diema von vorne, ...


... Diema von vorne. Diese Art Plattform kennen wir ja schon von Olean. Rechts standen noch zwei verrotteter Dampfer, sollten die D-Kuppler O&K 6569/1913 und 6706/1913 sein, hab ich mir aber in der Eile nicht näher ansehen können, wie gesagt, Blitzaktion!


Im Schuppen war es ziemlich dunkel, aber die diversen Fenster hellten einige Bereiche sehr stark auf. Und im Eifer des Gefechts war mal wieder das Stativ im Auto. Die betriebsbereiten Nummer 7, O&K 4870/1911 stand ganz vorne in sehr schwierigem Licht. Das ist das brauchbarste Bild was in der Eile entstehen konnte, die Kamera kapitulierte vor diesen Lichtverhältnissen, wenn wir uns doch bloß mehr Zeit lassen konnten, eine Langzeitbelichtung bei 100 oder 200 Asa wäre vielleicht was geworden...


Auch Nummer 6 ist betriebsbereit abgestellt: Durco&Brauns 129/1927. Beides sind D-Kuppler nach O&K-Patent mit Klien-Lindner-Hohlachsen. Und dann kam der Wachmann in den Schuppen und hat uns rausgeschmissen. Kein Eintritt bezahlt, keine freundlichen Worte...


Die Kamera stand noch auf 400 Asa, im Hinausgehen aus dem Werksgelände hastig noch 'mitgenommen', konnte nix werden, aber wenigstens könnte man ja noch erkennen, was das für Loks waren... Die vordere ist die selbe Type wie in Olean und Asembagus 2 & 4. Die hintere scheint wieder eine Diema zu sein. Die da links gerade noch ins Bild reinlugt, das war wieder so eine Japanerin, wenn ich mich richtig erinnere.

Vorne an der Straße hat uns dann nochmal ein Wachposten abgefangen, und TC hat sich ne Geschichte einfallen lassen, und so sind wir dann nochmal um größeren Schlamassel drumherum gekommen...

Das war dann Wringinanom, eigentlich nicht vorzeigbar, aber gehört dazu. Da muss man nicht (nochmal) hin. Irgendwie schade.

9. September 2006

An diesem Tag stand vor allem eins auf dem Programm: 271 Kilometer von Situbondo nach Kediri, unserem nächsten Übernachtungsort, und am späten Nachmittag zur Zuckerfabrik PG Mrican. Aber die 271 Kilometer müssen erstmal gefahren sein. An der Nordküste Ost-Javas ist der Verkehr dicht, wie geschrieben, die Hauptverbindung zwischen Surabaya und Bali. Nach nur 30 Kilometer erreichten wir zunächst die Stadt Besuki, in deren Nähe die geschlossene Mühle PG De Maas liegt. Man kann die Fabrik von der Straße über die Felder sehen, und im inneren stehen noch einige Dampfloks, aber keine Zeit, es würde bis Kediri auch so schon knapp werden, und in Mrican wollten wir uns eine Abend-Session antun. Also gab es nur einen kurzen Stopp an der Hauptstraße, um die Denkmallok aus De Maas abzulichten:




Es handelt sich hierbei um eine B1-Lok, O&K 3467/1909.

Es ging dann weiter nach Westen, ein Zwischenhalt kurz vor Pasuruan um frische Mangos Kiloweise zu kaufen. Dummerweise hatte ich da die Kamera nicht bereit, den plötzlich ohrenbetäubendes Geschepper auf der neben der Straße verlaufenden Bahnstrecke und da kam sie auch schon, eine von den drei letzten Jenbacher BB1500HV, Baureihe BB305 04-06, einer Art Billignachbau der Krupp M1500BB. Keine Chance, den Zug nochmal einzuholen, bei dem Verkehr... Und zu dem ganzen Chaos, was speziell in dieser Ecke südlich von Surabya sowieso abgeht, war dann seit Monaten ein neuer wahrscheinlich von einer Ölbohrung ausgelöste Schalmmvulkan aktiv, wegen dem einige Straßen gesperrt sind, und wahrscheinlich bald auch die Bahnlinie. Kurz vor Pasuruan über Seitenstraßen um den Stau herum, an den Feldbahngleisen der PG Kedawung (nur noch Diesel) entlang, ein paar Loren gesehen, dann nach Süden Richtung Malang, kurz vor Malang den Berg nach Batu rauf, dort Mittagessen, und auf der anderen Seite den Berg wieder herunter nach Kediri zunächst ins Hotel. Und dann zur PG Mrican. Aber diesbezüglich muss ich euch erst nochmal auf die Folter spannen, denn in Mrican sind auch wieder sehr viele Bilder entstanden, die muss ich erstmal auswählen, das dauert eine Weile. Ich ziehe daher drei Kleinigkeiten des nächsten Tag vor, die Sachen, die wir nach Mrican gesehen haben. Zunächst zwei Loks im Bahnhof von Kediri:


Dies ist eine der letzten Krupp M1500BB, Lok BB30131. In dem Häuschen ist eine Gleiswaage untergebracht, die in den 1920ern in Holland hergestellt wurde. Im Schatten sitzen Lokführer und Rangiergehilfen und diskutieren über eine technische Zeichnung.




Diese Lok ist in Jember stationiert. Dort sind auch die drei Jenbacher zuhause. Das Schicksal aller dieselhydraulischen Loks in Java aus deutscher und östereichischer Produktion ist so gut wie besiegelt, da beschlossen wurde, keine Ersatzteile mehr von Voith zu beziehen. Man möchte in Java die Loks auf die GE U18C vereinheitlichen, auch wenn diese für manche Strecken zu schwer sind. Damit die Ausmusterung der deutschen Loks keine zu große Lücke in den Bestand reißt, werden von INKA in Madiun neue Loks der Baureihe CC204 gebaut, und aus West-Sumatra wurden viele Hehschel DHG800 und DHG1000, die dort nur vergleichweise wenig gefahren wurden, nach Java rübergeholt. Nur in Nord-Sumatra will man die Dieselhydraulischen erhalten, denn dort hat man nichts anderes.


Leider bald Geschichte.


Die BB301 wurden zwischen 1964 und 1970 gebaut.


Dieses Exemplar stammt aus der zweiten Lieferung von 1965.


Hinter der BB30131 schaut die GE U18C CC20110 heraus. Die BB301 steht auf Schienen, die 1885 von Krupp gewalzt wurden. Auch die handbetriebene Weiche mit dem hohen Weichensignal ist schon so alt.


Diese dieselelektrischen Loks sind auch nicht mehr die Jüngsten, Baujahr 1977-1992. CC20110 ist Baujahr 1977, Heimat-BW ist Bandung in West-Java.


Im Hintergrund ist die Bahnhofshalle zu sehen.


Die Lokführer sitzen immer noch im Schatten der Gleiswaage.

Nach dem Besuch des Bahnhofs von Kediri sind wir weiter nach Madiun, dort beschließe ich erstmal den Beitrag mit noch zwei Dampfern auf Denkmalsockeln.


Die PG Rejoagung ist eine große Zuckerfabrik und hatte früher viele Dampfloks, von Nummer 1 bis 25 durchnummeriert. Bis auf zwei Stück sind alle verschrottet. Überlebt hat der D-Kuppler Hanomag 10409/1925 LAWOE, welche 1987 nach Deutschland exportiert wurde, sie heist heute MERAPI und ist in der Berliner Wulheide unterwegs.


Auf dem Sockel steht O&K 4494/1910, eine kleine Mallet-Lok.


Das "Fabrikschild" ist bestimmt nicht original.


Der Schornstein wurde für ihr Dasein als Denkmal mit traditionellem Batikmuster verhübscht.


Auch ein hübscher Rücken kann entzücken.

Dann an der Zuckerfabrik und an INKA (Industri Kereta Api, hier werden für die Staatsbahn Wagen und Lizenzbauten der GE U18C, aktuell Baureihe CC204 mit 2000 PS und Biodiesel-tauglich, gebaut) vorbei, über die Staatsbahngleise rüber, und da steht dann gleich noch eine Denkmallok kurz vor dem Bahnhof von Madiun:


Es handelt sich hierbei um den C-Kuppler C2606, Henschel 18630/1921.

Hiermit schließe ich diesen Teil ab. Jetzt werde ich erstmal einige Zeit brauchen, um die Bilder der nächsten Zuckerfabrik auszuwählen: Mrican, hier dampft es wieder ordentlich. Lasst euch überraschen...

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