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Palmen, Zucker und Dampf - Teil 11 - Tasik Madu (m26B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 23.10.2006 18:08
von 52_2006 • 374 Beiträge
11. September 2006

Nach dem Exkurs zur Gending-Mallet im Frankfurter Feldbahnmuseum kehren wir wieder zu den noch in Java befindlichen Feldbahnhopsern zurück. Ihr werdet sehen, dass die auch ganz schön groß sein können. Die meisten Zuckerfabriken haben eine Spurweite von 700 mm, manche auch weniger, manche auch mehr, wie Tasik Madu, schon alleine die Spurweite von 750 mm verrät, dass es hier schwergewichtiger zugeht. Um aus der Gegend von Madiun nach Surakarta/Solo zu gelangen, in dessen Nähe sich die PG Tasik Madu (In Deutsch lässt sich das mit "Honigsee" übersetzen) befindet, hat man grundsätzlich die Wahl, um den Berg Lawu (3265 mm hoch) herum oder über einen Pass in 1826 Meter Höhe zu fahren. Die Straße zum Pass hinauf überwindet auf etwa 30 Kilometer etwa 1700 Höhenmeter, die Straße ist im oberen Bereich recht eng, und ist dort sehr steil. Ich hatte teilweise befürchtet, dass unser Kijang gleich hinten über kippte. Der nicht Eisenbahn interessierte Teil der Reisegruppe ist außen herum gefahren, und gleich durch bis Yogjakarta, weil dort in der Großstadt, die in jüngster Zeit durch Tsunami, Erdbeben und Beinahe-Ausbruch des Vulkans Merapi berühmt geworden ist, die Geschäfte interessanter waren. Obwohl, wie wir später durch Surakarta/Solo durchgefahren sind, mein Eindrcuk war, dass auch diese Stadt diesbezüglich ein lohnendes Ziel ist. Aber zurück zum Pass. Den haben wir nämlich genommen, um uns ein kulturelles Highlight anzusehen, das normalerweise recht weit ab von den üblichen Touristenströmen und Hauptstraßen liegt.


Es handelt sich dabei um den Candi Sukuh, den man architektonisch eher nach Mittelamerika einsortieren möchte, als nach Java. Dieser hinduistische Tempel ist einzigartig, er wurde erst im 15. Jahrhundert, also als die Blüte der hinduistischen und buddistischen Kultur in Java schon vorbei war, erbaut. Er ist eine Art Fruchtbarkeitstempel, wovon einige sehr freizügige Szenen und Figuren, die dort in Stein gemeißelt sind, zeugen. Obwohl die Javaner zu 95% Moselms sind, sind am Tempel an verschiendenen Stellen, besonders vor besonders eindeutigen Darstellungen frische Opfergaben zu finden. Wenn man in der Gegend ist, muss man diesen Tempel gesehen haben.


Während TC wieder das mit dem Eintritt regelte, haben wir uns in dem Park vor der Hauptverwaltung aufgehalten. Dort gab es schonmal einiges zu sehen, wie diese Dampfwalze mit Stehkessel.


Wenn man sich rechtzeitig anmeldet, wird diese sogar angeheizt, sie ist voll betriebsfähig. Vielleicht zeige ich später noch ein Foto von TC.


In dem Park standen außerdem: Tasik Madu Nummer VII (7), Henschel 9868/1910 mit Achsfolge D, ausnahmsweise keine Klien-Lindner-Hohlachsen, wie man auch am Innenrahmen erahnen kann. Man beachte auch den Wassertank unter dem Kessel im Rahmen.


Die grausam 'geschmückten' Überreste der XV (15), O&K 6976/1913.


Und dieser Personenwagen. Die PG Tasik Madu wurde von den holländischen Kolonialherren in den 1870ern gebaut, und als Tribut dem Sultan von Surakarta geschenkt. Um seine Fabrik bis in den letzten Winkel zu bereisen, das Steckennetz war zu seiner größten Ausdehnung über 300 km lang, lies sich der Sultan diesen Wagen bauen, der zuletzt von der Lok I befördert wurde. Lok 1 sehen wir bald.


Auf unserem Weg zum Lokschuppen wühlte sich Lok VII (7) durch die Zuckerrohr-Wagen.


Im Lokschuppen zunächst eine der in Java nicht so häufig anzutreffenden O&K-Dieselloks. Das Schild im Hintergrund bittet um Segen von ganz Oben.


Außerdem war diese Diema im Lokschuppen aufgebockt.


Und auch eine Schoema wartete auf ihren nächsten Einsatz.


Mit offener Rauchkammertür: TM Nr. 6, ein O&K D-Kuppler mit Klien-Lindner-Hohlachsen. Leider kann ich nicht die Fabriknummer herausfinden, da sie nicht in Rob Dickinsons Liste drin ist, denn die Nummer 6 ist doppelt besetzt, es gibt auch eine Nummer VI, dazu später mehr. Im Hintergrund der Loks sind, sehr ungewöhnlich für eine Zuckerfabrik, Personenwagen abgestellt.


Lok I (O&K C-Kuppler Fabriknummer 9881/1921) ist extra für diese Personenwagen herausgeputzt. Die Personenwagen sind ziemlich neu, manche befanden sich auch noch im Bau. Die PG Tasik Madu hat nämlich den Tourismus für sich entdeckt, Sonntags werden Fahrten mit Lok I und den Personenwagen angeboten. Der Zug fährt dabei auf im Werk extra dafür aufgebauten zusätzlichen Gleisen, um den normalen Feldbahnverkehr nicht zu stören.


Auch Lok II (O&K-KL-D-Kuppler 11127/1912) wurde gerade gewartet.


Wir sind dann aus dem Lokschuppen raus, jetzt wollten wir die Loks, insbesondere eine Spezielle beim Rangieren beobachten. Unterwegs zur Straße, wo die Züge vom Beladeplatz hoch kommen, nahm ich noch diese Diesellok von Ruston mit. Sie war vorne und hinten mit diesem Rammschutz ausgestattet.


Eine B-gekuppelte Diesellok mit der Betriebsnummer 15, ich war allerdings so auf die, die da bald kommen sollte, fixiert, dass ich nicht nach Herstellerangaben suchte.


Diese wahrscheinlich zur 15 baugleiche Lok hatte nicht mal eine Nummer.


Wir sind dann erstmal 'ihr' entgegen gelaufen, um zu sehen wo 'sie' bleibt. Der Anblick von 'ihr' war überwältigend, wie 'sie' da auf das Beladen der Loren wartete, die Bilder bei dieser Gelegenheit nicht so, wie die später, so dass ich der Vollständigkeit halber diese Sockellokomotive (wahrscheinlich Nummer IV, O&K 10739/1924) zeige.


Wieder auf dem Rückweg nach oben, überholte uns dieser mit Arbeitern und Zuckerrohr voll beladene LKW. Und dann kündigte 'sie' sich durch lautes Schnaufen an. Achja, durch diese Gasse musste 'sie' komen.


Und dann kam 'sie'.


'Sie' ist gewaltig. Es ist der 'Big-Boy' der javanischen Zuckerdampfer. Gigantische 150 PS Leistung, aber von den Abmessungen eindeutig die größe noch im Betrieb befindliche Dampflok Javas.


Es handelt sich dabei um die Lok VI (nicht "6"), die jedem Java-Eisenbahn-Fan bekannte O&K 11790 von 1929. Der Tender ist jünger, und mit ihm hat sie ein Längenverhältnis Lok zu Tender wie eine Kondenslok!


Wer genau hinsieht, sieht, dass die vordere und hintere Achse dieses E-Kupplers nicht über die Treibachsen gekuppelt sind. Sie werden nach dem Patent von Luttermöller über Zahnräder angetrieben, die in einem Kugelgelenk befestigt sind. Dadurch erreichte man eine ungewöhnlich gute Kurvenläufigkeit. Ähnliche Tenderloks wurden u.a bei der Hamburger Hafenbahn eingesetzt.


Und dann war da noch Lok V, O&K 9513/1921. Die war in der Folge besonders fleißig, so dass wir die VI bis zum Sonnenuntergang nicht mehr zu sehen bekamen.


Nochmals die V.


Und hier nochmal die Diesellok, die mehr rauchte, als die Dampfloks!


Von den Loren fiel wegen schlampiger Beladung immer wieder Zuckerrohr herunter, zwischendurch schoben Arbeiter immer wieder mal eine Lore über die Strecke, um die verlorene Ladung wieder einzusammeln.

Da ich mich wieder nicht entscheiden kann, welche Bilder ich nicht zeige, teile ich den Bericht hier. Es ist noch früh am Abend, so dass ich es jetzt auch noch schaffe, den zweiten Teil fertig zu machen. Bis gleich.

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