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Palmen, Zucker und Dampf - Teil 13 - Gondang Baru (m18B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 25.10.2006 21:25
von 52_2006 • 374 Beiträge
13. September 2006

An diesem Tag stand die PG Gondang Baru auf dem Programm. Bernhard war etwas müde und blieb im Hotel. Außerdem wollten wir und dort mit Rob Dickinson treffen. Um es vorweg zu nehmen, letzteres klappte nicht, sein Flug von Peking nach Jakarta hatte Verspätung, so dass er den Anschluß nach Yogjakarta verpasste. So traf er erst ein, nachdem ich weg musste, damit ich mit der Familie die lange Fahrt nach Bandung eintreten konnte. TC blieb noch, und zwei Stunden später traf dann Rob in Gondang Baru ein. Daraus lässt sich auch schließen, dass dies die letzte Zuckerfabrik war, die wir auf dieser Reise besuchten, denn die Nordküste Mitteljavas wollten wir uns für später (nächstes Jahr) aufheben. Aber keine Sorge, ich habe noch mehr zum Thema, es geht weiter. Zunächst zurück zu Gondang Baru.


Ein Plan der Zuckerfabrik, der Jalan Raja Yogya Solo, die Straße die diagonal über den Plan geht, ist die Hauptverbindungsstraße Yogjakarta - Solo/Surakarta. Die PG Gondang Baru liegt in der Mitte zwischen den beiden Großstädten in Klaten. Das große verschachtelte Gebäude ist die Fabrik mit Dampfkesseln, Maschinenhalle, Lokschuppen, und dem ganzen anderen Kram. Südwestlich davon die vielen kleinen Häuser, das sind die Verwaltungsgebäude und die Villen der ehemaligen kolonialen Besitzer der Fabrik. In dem größten der Villen ist das Museum Gula, das Museum zur Zuckerherstellung untergebracht.


In der Zuckerfabrik gibt es dieses schematische Modell einer solchen Anlage, es ist auch elektrisch angetrieben. Im Vordergrund sehen wir links die Anlieferung des Zuckerrohrs von der Schiene, rechts eine (nur) dreistufige Mühle. Rechts im Hintergrund die Dampfkessel, die alles antreiben.


Das selbe Modell von der anderen Seite: In der Mitte hinten sieht man die Apperaturen, in denen der Schwefel und Kalk dem Zuckersaft beigemicht wird. Rechts oben das sind die 'Kochtöpfe', in der die Brühe eingedickt wird. Davor, mit den kleinen roten Tonnen, das sind die Zentrifugen, in denen der Zucker von der Melasse getrennt wird. Davor das alles sind die Sortieranlagen für den Zucker, in dieser Modell-Anlage, so wurde mir erklärt, kann der Zucker nach Kristallgröße sortieret werden. Es gab jede Menge interessante Dinge in dem Museum zu sehen, eine Karte mit allen jemals existierenden Zuckerfabriken Mitteljavas, weit mehr als in Robs Webseite und in Uwe Bergamnns Sweet Steam Buch erwähnt werden, viele davon wurden allerdings schon vor dem I oder II Weltkrieg geschlossen. Außerdem jede Menge Gerätschaften zum Bestellen und Ernten der Zuckerrohrfelder, Rechenmaschinen, Schreibmaschinen, diverse Pumpen, historische Karten, Fotos und Urkunden zur Grundsteinlegung und Einweihung diverser Fabriken, in Glycerin eingelegte Schädlinge wie Ratten und Mäuse als Feinde des Zuckerrohrs, usw.

Die drei vor dem Museum ausgestellten Loks zeige ich aber erst im zweiten Teil über Gondang Baru. Hier gehts erstmal mit ein paar interessanten, so in anderen Fabriken nicht gesehenen Details der Fabrik weiter:


Die Transmissionsriemen treiben die Kalkmühle an. Gondang Baru brennt sich seinen Kalk selber.


Das ist die Kalkmühle, in der Mitte des Raumes stand ein hoher Ofen, aus dem ständig der gebrannte Kalk rausfällt, und die Mühle pulverisiert ihn dann.


Mit dieser Lore, Spurweite geschätzt 40cm, das schmalste, was wir auf der Reise gesehen haben, wird der Kalkstein von der Halde im Hintergrund geholt, und von Hand in einen kleinen Aufzug geschoben. Der Aufzug befördert den Kalkstein nach oben in den Ofen.


Mit diesen Loren wird der Kalkstein von den LKWs in die Kalkbrennerei gebracht.


Der Arbeiter zerkleinert von Hand die Antrazith-Brocken für den Kalkofen. Der Hammer besteht aus einem eisernen Schaft, auf den eine große Schraube aufgeschweißt wurde.


Diese Toyotas werden ständig mit der Asche aus dem Dampfkessel der Fabrik beladen, nur heute war Ruhe, warum, das zeige ich gleich.


Die Mühle hat stillgestanden, heute war Wartung angesagt. So kann man mal einen Blick auf das Mahlwerk werfen.


Ein weiterer Blick auf die Maschinenhalle. Die PG Gondang Baru ist eine der größeren und vor allem älteren Zuckerfabriken, dementsprechend sind die gezeigten Holz-verkleideten Dampfzylinder aus den 1890ern.


Bisher die einzigste Zweizylinderdampfmaschine, die ich während meiner Reise gesehen habe.


Die Zwillingszylindermaschine nochmal von der anderen Seite.


Und noch eine Besonderheit: Die Zweizylinderdampfmaschine ist auch gleichzeitig die Älteste, die ich gesehen habe: 1884.


An dem Drehzahlregler wurde gearbeitet. Wenn so einer während der Saison üblicherweise ausfällt, dann wird ein Arbeiter neben die Dampfmaschine gestellt, der die Drehzahl manuell regeln muss.

Die Arbeiter arbeiten teils seit Generationen in der Fabrik, sie lernten den Umgang mit den Dampfmaschinen von ihren Vätern und Großvätern, und sind mächtig stolz darauf, die Arbeit ihrer Vorfahren weiter zu führen.


In diesen Behältern wird der Zuckersaft eingekocht.


Hinter der Maschinenhalle befindet sich die Generatorhalle. Neben etwas moderneneren Acht-Zylindermotoren trieben auch zwei Oldtimer-Dieselmotoren elektrische Generatoren an.


Das ist der Zweite.

Man muss bemerken, dass sich die PG Gondang Baru im Gesamten als ein 'produzierendes Museum' versteht, zunächst wird der Besucher durch das eigentliche Museum geführt, und dann auch durch die Fabrik, die solange es geht, so erhalten werden soll. In der eigenen Werkstatt werden dazu alle erdenklichen Ersatzteile für die über 100 Jahre alten Maschinen hergesetellt, das Problem ist nur, dass zur Herstellung der Teile nicht die gleichen Stähle zur Verfügung stehen, wie die Original-Teile. So ist es die Regele, dass die Ersatzteile nicht so lange halten, wie die Original-Teile. Für das weitere Vergnügen der Besucher gibt es neben diesen Sehenswürdigkeiten ein Restaurant und am Wochenende auch einen 'Museumszug', ähnlich wie in Tasik Madu.

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