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#1

Wagen der Niederländisch-Indischen Bahnen (XIV) (m14B)

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 05.11.2007 22:38
von 52_2006 • 374 Beiträge
Hallo,

das ist die letzte Folge mit Wagen für die Niederländisch-Indischen Bahnen, das heist der historischen Bahnengesellschaften Indoneisiens zur holländischen Kolonialzeit. Ich hoffe, ich konnte euch für dieses Thema begeistern. Wenn ich das noch nicht geschafft habe, dann hoffentlich nun mit diesem - vorerst - letzten Beitrag dieser Serie. Es geht um genau einen einzigen Personenwagen, aber "der hat es in sich", im wahrsten Sinne des Wortes. Doch zuvor zwei Zuschriften von Florentinus Surianto, einem in Wien lebenden Indonesier und Eisenbahnfan, wir hatten ja kürzlich das Thema "Bremsen", siehe Teil 9:

Quote:


Lieber Stefan,

Eine gute Frage. Wie kann man den Zug mit der Handbremse anhalten?
Die Antwort: Die Lokomotiv-Pfeife ist sehr wichtig. Das ist wie beim Morse-Alphabet (Telegrafische Sprache).
Der Wagon ohne Bremse muß mit einem Wagon mit Handbremse gekuppelt werden. Einige Wagons mit Handbremsen müssen mit Brems-Personal besetzt werden.
Jeder Bremser muß die Pfeif-Codes der Lokomotiven (nach Dienstordnung) hören und verstehen können. Der Lokomotivführer muß die Pfeife nach der Dienstordnung betätigen.

Beispiele:
1. Bei der Abfahrt: Der Bahnhofvorsteher pfeift, dann muß die Lokomotive mit langem Pfiff antworten, was bedeutet, dass alle Handbremsen zu lösen sind, dann machen die Bremser ihre Handbremse lose.
2. Beim Fahren: Wenn der Zug bergab fährt, bzw. die Geschwindigkeit reduziern muß, dann muß die Lokomotive zweimal kurz pfeifen, das bedeutet, die Bremser müssen die Handbremse betätigen.
3. Beim Fahren: Wenn die Lokomotiv schneller fahren will, dann muß die Lokomotive einmal kurz pfeifen, das bedeutet, die Bremser müssen die Handbremse wieder lösen.
4. Wenn ein Flügelsignal auf Halt steht, oder das Lichtignal rot ist, dann muß die Lokomotive fünfmal pfeifen (bzw. einmal lange + dreimal kurz + einmal langer Pfiff), das bedeutet, die Bremser müssen die Handbremse betätigen, damit der Zug vor dem Signal halten kann.
5. Wenn das Signal nun öffnet bzw. grün ist, dann muss die Lokomotive einmal kurz pfeifen, was bedeutet, daß die Bremser alle Handbremsen wieder lösen müssen.

Durch die Anwendung des Systems der Luftbremse war das Pfeif-System überholt und die Bremser wurden überflüssig. Aber die Lokomotivführer blieben dem traditionellen Pfeifsystem treu. Und wir wollen doch das Singen der Lokomotive nicht vermissen??

mit herzlichen Grüßen

Florentinus Suryanto



Ja, und so hupen die Dieselloks auf Java noch heute die alten "Melodien"... !!!

Eine zweite Mail von Florentinus betrifft die kleinen geschlossenen Güterwagen, siehe Teil 6, und den moderneren Blechkasten, der in manchen Farbfotos im Hintergrund abgestellt war:

Quote:


Lieber Stefan,

Ich danke Dir für Deine Mail über die Güterwagon bei Neuhaus. [Anm. 52 2006: Siehe www.jhmd.cz, in der Galerie die grünen Pufferwagen]

Die Güterwagon von Allan und Werkspoor, die Du uns in deiner Serie gezeigst hast, sind die Prototypen des Güterwagons der niederländisch-indische Bahnen. Die Hauptmerkmale des Güterwagons sind u.a: Er hat zwei Achsen mit 3.000 mm Radabstand, Handbremsen und "Meatchopper" (Norwegische) Kupplung. Das System dieses Güterwagons ist veraltet. Deshalb erneuertete ca. 1960 die indonesische Bahn ihrer Güterwagons. Die Indonesische Bahn kaufte die neue Güterwagonen von der Tschekoslovakei, weil sie günstige Preise anbot. Die Firma, die bei der Entwicklung des "Güterwagon-Prototyps für indonesische Bahn" beteiligt, war u.a."Vagonka Ceska-Lipa". Ceska Lipa (=Böhmisch Leipa) liegt südlich von Dresden. (Vielleicht beteiligte sich auch "Tatra Vagonka" und "CKD Vagonka"). Die Merkmale dieses Güterwagon sind u.a.: Er hat zwei Achsen mit 4.000 mm Radabstand, Druckluftbremse & Handbremse (Daher hat der die Gattung GW = Güterwagon mit Westinghouse Bremsystem) und "Knuckle coupler" bzw. "Janney Kupplung" (US-Amerikanisiche Kupplung). Diese neue Güterwagon Prototyp ist größer und kann daher schneller gezogen werden und mehr Güter transportieren, als der alte holländische Prototyp.

Lokomotive und Menschen leben zusammen. Die alte Dampflokomotive und Züge waren die Freunde der Menschen der damaligen Zeit. Daher wird die Darstellung des Lebens der Dampflokomotive und der Züge lebendig sein, wenn sie mit der Darstellung der Menschen und der Natur von damals begleitet wird. Ich gebe Dir ein Tipp:

- http://djawatempodoeloe.multiply.com

... [Anmerkung 52 2006: Unbedingt ansehen, um ein Gefühl zu bekommen, wie es in den 1920ern und 1930ern auf Java ausgesehen hat, besonders bemerkenswert, wie schön damals Jakarta (Batavia) war, wieviel Platz und wenig Verkehr es damals gab, und die bemerkenswerte Art-Déco-Architektur in Bandung, zum Beispiel die Villa Isola, die in vielen zeitgenössichen Fotos gezeigt wird!]

Du wirst sehen, wenn Du dort z.B. Bandoeng Tempo Doeloe klickst, dann kannst Du sehen wie damals die Hanomag Lokomotive (Gattung B51) die Expresszüge nach Batavia (Jakarta) zog über Viadukte und dem Bahnhof verläßt. Du kannst über das gesellschaftliche Leben von damals nachdenken. Das Zusammenleben mit Natur und die "europäische Stadtordnung" (bzw. "für uns fremde Ordnung"). Wenn Du alle Photo und englische Kommentare liest, vielleicht glaubst Du nicht mehr, "waren das Photos aus Java oder von der deutschen Städte????" Aber sicher zu diesem Bild passend sind die lebendigen Dampflokomotive von Borsig, Hanomag, Hartmann, Henschel, Hohenzollern, die eben in Aktion sind. [Anm. 52 2006: Dazu später mehr... ;-)]

mit herzlichen Grüßen

Florentinus Suryanto



Zurück zu unserem heutigen Thema:

Ein Personenwagen mit I. Klasse auf der einen Seite und der Luxus-Klasse für acht Herrschaften der Gattung "AB R8" der Aceh-Tramway, gebaut irgendwann um das Jahr 1915 herum bei Allan in Rotterdam:

Wir nähern und diesem Wagen von vorne:



Und dann von der Seite:



Und dann noch mal freigeschnitten, man beachte auch das weiße Teil im Dach in Wagenmitte, dieses Detail ist für weiter unten wichtig:



Dann schauen wir nochmal etwas perspektivisch auf dieses Gefährt, wie man sieht, gibt es bei diesen Wagen große Glasscheiben hinter den hoch und runterschiebbaren Jalousien:



Und auf die Rückseite:



Das ist erstmal ein Blick in das Abteil der I. Klasse, so viel besser als die III. Klasse, die ich zuletzt gezeigt hatte, ist das auch nicht, ...



... und noch eine andere Ansicht:



Was ich nicht so ganz verstehe, ist dass auf dem einen Bild Armlehne zu sehen sind, und auf der Tür "Retirade" steht, und auf dem anderen "Toilet". Gab es hier etwa zwei Ausstattungsstufen? Ziemlich sicher bin ich aber, dass weder das eine noch das andere Innenfoto einen der in der letzten Foilge gezeigten I oder II Klasse-Wagen sein kann, da diese in der Mitte nicht erhöht waren. Wer jetzt denkt, das ist das Abteil auf der anderen Seite der Toilette, der liegt falsch, werdet ihr gleich sehen... Hier nochmal ein Einblick in das einfacher ausgestattete Abteil dieses Wagens:



Und das ist das andere Abteil des Wagens, das sieht dafür reichlich komfortabler aus:



Feinstes Lederpolster bestimmt das Ambiente:



Auch diese Seite ist im "Aufschnitt" überliefert, deutlich ist zu sehen, dass die Sitze auch herunter geklappt werden konnten, um sich darauf bequem auszustrecken, aber wahrscheinlich nur, wenn der Wagen nur zur Hälfte besetzt war, oder man musste sich wohl etwas enger zusammenkuscheln:



Und nochmal der ganze Wagen von der Seite mit der kompletten Inneneinrichtung:



Anhand der Inneneinrichtung und der Türbeschriftung kann man sicher erahnen, der Wagen hat eine Toilette, hier die Außenansicht dem dem Wasserbehälter für die Spülung, auf den ich schon weiter oben hingewiesen habe:



Ich denke natürlich, dass euch die Toilette des Wagens besonders interessiert, weist sie doch einige interessante Details, wie zum Beispiel das Gegengewicht an der Klobrille auf:



So, dann bin ich erstmal durch mit den Wagen der Niederländisch-Indischen Bahngesellschaften, ich hoffe, dieser Exkurs in dieses exotische Land hat gefallen. Fragen und Anmerkungen von allen, auch Florentinus, sind wie immer herzlich willkommen.

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Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
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