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#1

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 7

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 17.02.2008 20:54
von 52_2006 • 374 Beiträge
PG Sragi 600 mm

Rauchende Lokomotiven sind gut!

Wir erinnern uns, ich hatte über Nacht etwas mit diversen Zügen zu kämpfen, aber am Morgen war das wieder verflogen, zum Glück. Ich erklomm vor dem Frühstück erstmal den Turm der Rutschbahn am Swimming-Pool, um mich umzusehen, auch um herauszubekommen, wie die Bahnstrecke dahinter beschaffen war, fotografierenswert war es mir nicht, da man keinen freien Blick hatte, aber auf der Strecke war reger Betrieb, am Morgen zum Glück noch mehr als in der Nacht. Nach dem Frühstück fuhren wir dann nach Sragi.

Hier erstmal wieder das aktuelle Operationsgebiet als Sat-Aufnahme aus Google Earth:


Neben der PG Sragi sind hier weitere Zuckerfabriken erwähnenswert: Die PG Comal ist von der Hauptstraße Cirebon-Tegal-Pekalongan-Semarang zu sehen, aber sie ist schon seit einigen Jahren geschlossen. Im Lokschuppen stehen aber noch diverse Lokomotiven. ihr Gleisnetz wurde,, als die Fabrik geschlossen wurde, von Sragi aus befahren. Von der PG Peraroekan, welche direkt an der Straße lag, ist heute nichts mehr zu sehen, ich habe ihre Lage - und ihre Werksgleise - aber auf einer topografischen Karte von 1958 finden können. An der Stelle befindet sich heute eine Siedlung. Die PG Wonopringgo übernahm Lokomotiven, Felder und alles andere von der PG Kebonsarie, Tirto und Batang, bevor sie selbst geschlossen wurde. Die LKWs, die heute von den Feldern der erwähnten Zuckerfabriken das Zuckerrohr abtransportieren, fahren heute alle nach Sragi, man kann sich also ausmalen, welche Bedeutung diese Fabrik heute hat, und evtl. kann man sich schon jetzt vorstellen, was dort für ein Betrieb herrscht. Sragi gehört heute zur Mehrzahl der Betriebe, wo sich der Bahnbetrieb nur noch auf den Bereich zwischen dem Umladeplatz vom LKW auf die Loren bis zum Entladeportalkran der Maschinenhalle beschränkt.


Im Vergleich zum Satellitenfoto das hier: Diese Karte hängt in der Hauptverwaltung der Fabrik und war für mich eine wichtige Quelle bei der Rekonstruktion der Gleisanlagen von Sragi und Comal. Das Bild hier habe ich aus zwei Hälften zusammengesetzt, das heist das hier sind verkleinerte 20 Millionen Pixel.


Bevor wir uns nun ins Getümmel stürzen, noch die Übersicht der Fabrik mit ihren noch vorhandenen Gleisanlagen, naja, bis auf die, die an der Straße entlang und an der Fabrik vorbei nach Osten geht, die ist historisch. 1=Portalkran, 2=Dorf mit Straßenkreuzungen über die Gleise, 3=Ausziehgleis, 4=Lokschuppen, 5=Portalkran zum Entladen.


Hier befinden wir uns dann gleich beim Portalkran zum Beladen der Loren. So geht es ständig rund hier, links hinter mir dampft rückwärts eine der Schubloks an, hier ist es gerade die 20, biegt dann wieder vorwärts in die Ladegleise ein und schiebt volle Loren zum Werk. Die Lok 17 (Jung 1699 von 1911) trieb sich den ganzen Tag in dem Bereich rum, hier versteckt sie sich gerade hinter dem Baum. Ihre Aufgabe war es, die leeren Loren auf die Gleise unter dem Portalkran zu verteilen, die ihr von den anderen Loks gebracht werden.


Hier nochmal die 17 in ihrem Versteck.


Lok 16 ist die ehemalige Staatsspoorwegen-Lok Nr. 203T, gebaut im Jahr 1912 unter der Fabriknummer 3549. Sie ist eine der Loks, die die beladenenen Loren hinauf bis zu den Abstellgleisen vor dem Ausziehgleis schieben.


Lok 7 ist eine von drei BMAG-Loks mit hintererer Blindwelle nach einem Schwarzkopff-Patent, sie wurde 1928 unter der Fabriknummer 9318 gebaut. Im Vordergrund wurde gerade ein wackliges Gleis ausgebessert. Diese Blindwelle dient der Führung der Kuppelstangen am hinteren Ende, da bei diesen Fahrwerken wegen vieler seitenverschiebbaren Achsen und Spurkranz-losen Radsätzen und der schlechten Gleislage ansonsten zu viele Freiheitsgrade in der Bewegung der Kuppelstangen wären, was sonst die Treibzapfenlager und das ganze Gestänge zu sehr belasten würde. Genau erklärt hat es Juniatha im Hifo.


Hier sehen wir die Lok nochmal in voller Schönheit. Man beachte die abgebrochene Kupplung und die silbrig glänzende Lokfront. Die Loks, die im Verschubumlauf waren, sahen alle etwa so aus.


Die Loks wurde nicht gerade schonend eingesetzt, hier bei Lok 12 zu sehen. Auch Lok 12 ist eine Hartmann-Lok (3548/1912), welche zunächst auf dem Schmalspurnetz Nordwest-Javas der Staatsspoorwegen eingesetzt wurde, sie trug dort die Nummer 202T.


Ein Arbeiter ist mit der Wartung einer Weiche beschäftigt, während Lok 12 ihren eigentlich viel zu schweren Zug anschob. Was sich leider nicht als Foto darstellen lässt, sei hier beschrieben. Um den Zug vom Fleck zu bekommen, setzen diese Lokomotiven 5-10 Meter zurück, um dann mit voller Pulle gegen den Zug zu rammen. Das tut jedes Mal ziemliche Schläge, wenn die Lok mit der Rauchkammer auf die beladenen Loren rammt. Meist ist die Bewegung des Zuges schon wieder nach wenigen Zentimetern vorbei, die Lok schleudert nur noch auf der Stelle. Die Schubbelastung (Lok gegen Loren) liegt dabei nur zum Teil auf der Kupplung, falls sie nicht schon abgebrochen ist, bzw auf dem dafür eigentlich vorgesehenen Lokrahmen, sondern auch auf dem Kessel, was auf Dauer sicher nicht gut ist. Diese unsachgemäße Methode, die Loren in Bewegung zu bekommen, ist seit etwa 2 Jahren zu beobachten.


Wenn sie es dann geschafft hat, den Zug in Fahrt zu halten, schiebt sie ihn mit voller Kraft über den Platz im Dorf vor der Werkseinfahrt. Die Züge sind hier natürlich für alle anderen Verkehrsteilnehmer ein ziemliches Hindernis.


Hier setzt sich gerade Lok 7 hinter eine Fuhre. Auch sie wird schon nach wenigen Metern wieder zum Stehen kommen.


Ab und zu werden auch mal Züge geteilt, eine Lok zieht dann die vordere Hälfte, und eine schiebt die Hintere.


Der Mann lief vor der Lok her, um ihr die Weichen zu stellen, und weiter vorne den Straßenverkehr aufzuhalten, damit sie auf ein anderes Gleis umsetzen kann.


Hier schieben gleichzeitig Lok 7 und 12 je einen Zug zum Dorfplatz.


Die LKWs sind zahlreich und stehen praktisch überall herum.


Aber auch solche Blicke zwischen den LKWs hindurch ...


... können reizvoll sein.


Der Beweis: Sie bewegt sich tatsächlich. Wir sind dann erstmal zum Lokschuppen gelaufen, um zu sehen, was da so abging.

Wie es dort aussieht, und warum rauchende Lokomotiven gut sind, und was das alles mit dem Pidgeon-Indonesisch-Sprachkurs zu tun hat, erfahrt ihr im nächsten Teil!

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
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#2

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 7

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 18.02.2008 09:48
von felixS • 54 Beiträge
Die Blindwelle hat mir ziemlich Kopfzerbrechen bereitet. Wofür war die da ? Ich kenne sonst keine Dampflok mit so einer Einrichtung! Wenn du von Patent redest nehme ich fast an dass es mit der Kurvengängigkeit zu tun hat!?

Auch in Sragi waren wir schon morgens, da wurde hauptsächlich noch Holz und Bagasse gebunkert. Unglaublich wieviel Bagasse man in einen Führerstand packen kann!

Felix
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#3

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 7

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 18.02.2008 19:27
von felixS • 54 Beiträge
Zur Blindwelle hilft vielleicht diese Vergrösserung von Nr.6



Felix
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