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#1

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 11

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 25.02.2008 22:54
von 52_2006 • 374 Beiträge
PG Tasik Madu Fortsetzung

Weiter im Rangiergeschäft:


Die 5 rangierte einen Zug auf ein anderes Gleis um...


... das geschah aber so langsam, dass ...


... ich diese Szene locker aus mehreren Blickwinkeln ablichten konnte.


Nachdem der Zug dann auf ein anderes Gleis zurückgedrückt war, kam sie wieder vor, um wieder auf eines der anderen Lagergleise zurück zu fahren.


Auch die Dieselloks waren am Verschub beteiligt, hier springt gerade der Sandstreuer vorne auf die Lok, eine gewagte Aktion!


Und wenn es die Diesellok alleine nicht schafft, dann kommt die 5 zur Hilfe.


Kommen wir nun zur VI, sie ist eine Luttermöller-Lok, E-Kuppler (O&K 11790/1929), genauer gesagt, die größte Dampflok, die in Java noch betriebsfähig ist. Besser gesagt nicht "noch", sondern "wieder". Denn in 2006 erhielten wir bereits die Information, dass die Feuerbüchse defekt war, und dass die Lok entweder abgestellt oder repariert werden musste. Man hatte auch schon in Surabaya eine Firma gefunden, die diese Reparatur am Kessel durchführen konnte, man scheute aber die Kosten. Also wurde sie erstmal abgestellt, und da ihre Hauptaufgabe war, die schweren Lorenzüge von der unteren Umladestelle hinauf zum Werk zu schleppen war, wurde auch gleich die Umladestelle dicht gemacht. Gleichzeitig erlaubte man auch den LKWs weiter ins Werk hinein zu fahren.


Doch diese Arbeitsweise hat einen Nachteil: Die LKW-Fahrer wollen nicht so lange warten, bis sie an der Reihe sind, denn Warten bedeutet Geld, was sie nicht mit Transport verdienen können. So entschloß man sich dann,die VI wieder in Betrieb zu nehmen, um auch die Umladekapazität der unteren Umladestelle wieder nutzen zu können. Eine Besuchergruppe berichtete im August 07, dass die Heizrohre aus dem Kessel ausgebaut waren, eine neue stählerne Feuerbüchse eingebaut war, und die Lok Anfang September wieder betriebsfähig sein soll.


Wir waren dann wohl auch die ersten Besucher, welche die Lok wieder im Einsatz antrafen. Doch es herrschte längst nicht die Betriebsamkeit vom Jahr zuvor, da nur die VI unten eingesetzt wurde, und die V, die ihr sonst immer hilft, oben rangierte. Zufälligerweise begeneten wir an dem Tag dann auch Steve Noon, ein Engländer, der in Jakarta lebt, der regelmäßig alle Zuckerfabriken abklappert. Ich glaube, er lebt und arbeitet in Jakarta, damit er in der Saison jedes Wochenende die Zuckerfabriken besuchen kann. Eine Variante, die ich mir auch mal überlegen sollte, obwohl, in Jakarta leben, in dem Moloch, nein, das stelle ich mir nicht gerade prickelnd vor. Zurück zur VI...


Da noch immer die meisten LKW direkt ins Werk fuhren, verbrachte die VI die meiste Zeit mit Warten.


Die Zeit nutzte ich für ein paar Bilder mit Kuppelstangen ganz unten.


Dann endlich setzte sie sich wieder in Bewegung, leider nur rückwärts hinunter auf ein Gleis der Umladestelle. Ich nutzte die Chance trotzdem, sprang auf, kletterte in den riesigen Tender und porträtierte den Meister des Ungetüms an seinem Arbeitsplatz.


Wir sind dann erst nochmal in den Vergnügungsteil des Werksgelände, weil uns in Aussicht gestellt war, dass wir in den Normalspur-Lokschuppen rein dürfen, wir haben dann tatsächlich auch jemanden getroffen, der uns da rein lies. Dort schlummert neben Rurthaler Lok 3174 von 1954 auch ...


... Henschel 20776/1927. Mehr zu beiden Loks hier . Damit wir uns nicht mißverstehen, mit "Normalspur" meine ich hier die javanische, die 1067, also Kapspur ist. Unsere 1435 mm sind für die da unten "Breitspur", alles relativ...


Auf dem Rückweg zum Betriebsgeschehen machte ich dann noch ein paar Fotos vom Haus des Sultans. Der wohnte zwar in früheren Zeiten, und dort wohnt er (oder seine Nachkommen noch immer) im Sultanspalast Kraton in Solo, aber da ihm die Fabrik ja einst von den Holländern geschenkt wurde, hatte er hier auch ein Häuschen.


Es war zwar leider geschlossen, und betreten durfte man die Terasse auch nicht, aber die Ausstattung lies dann doch einige Eindrücke zu.


Wieder zurück an der oberen Gleisanlage beobachteten wir einie Loks beim Umsetzen der Loren aus den Lagergleisen in die Entladegleise.


Kommts jetzt vielleicht langsam, was ich wo möglich mit aufs Bild genommen habe?


Wie man am Sonnenstand erraten ging, gings jetzt langsam aufs Ende zu.


Eine Weichenreparatur legte sowieso den Betrieb weitgehend lahm, so dass es für uns Zeit wurde, wieder ins Hotel zu fahren. Die VI haben wir auf dem Rückweg aus dem Auto nochmal gesehen, sie stand noch immer da unten am Umladeplatz, das Licht war aber schon zu tief für vernünftige Aufnahmen.

Am Abend sind wir dann gegenüber vom Hotel in die Shopping-Mall ins oberste Stockwerk. Im obersten Stockwerk aller indonesischen Malls gibts immer Essenstände, an denen man die unterschiedlichsten Gerichte bestellen kann, bezhalt wird dann an der Zentralkasse. Das Essen da oben ist hauptsächlich einheimisch, wobei jeder Stand meist 10 verschiedene Gerichte anbietet, es gibt aber auch japanisch (Bento), chinesisch, und hin und wieder auch europäisches Essen, wass man aber besser nicht probiert. Ein paar Impressionen aus Solo:


Der Bejakfahrer wartet auf Kundschaft, während diese mit dem eigenen Mofa verschwindet.


Und es warten viele viele Mofas auf ihre Besitzer und Besitzerinnen...


Die Besitzerinnen vergnügen sich in der Mall, klar, mit was sie sich vergnügen...

Am nächsten Morgen (24.09.07) standen wir schon ganz früh auf, 03:00 Uhr oder so, denn jetzt stand die Trennung bevor, TC, Joop und ich wollten mit dem Zug weiter in den Osten Javas, der Familie war das aber verständlicherweise zu viel Fahrerei, so dass wir die Reise mit dem Zug fortsetzten, während meine Schwiegereltern mit meiner Frau nach Bandung zurückfuhren. Wir hatten 4 Tage 'Ausgang'. Der Zug hatte, wie erwartet Verspätung, 45 Minuten um genau zu sein. Während wir warteten, fuhr der Postzug, der von Jakarta über Bandung nach Surabaya fährt, langsam durch den Bahnhof hindurch, wobei sich folgendes abspielte: Wie der Zug an den Bahnsteig heranrollte, wurden an allen Wagen die breiten Türen geöffnet. Dann flogen die Postsäcke und manche Kiste aus den Wagen auf den Bahnsteig. Dort warteten schon einige Arbeiter, um diese Postsäcke von der Kante wegzuziehen, und warfen im richtigen Moment ihrerseits Postsäcke in die Wagen. Der Zug hielt dabei nicht an, sondern fuhr langsam durch den Bahnhof, am Ende des Bahnsteiges wurde alle Türen wieder verschlossen, der Dieselmotor der CC203 heulte auf, und der Zug beschleunigte wieder. Dann endlich kam unser Zug, hundsmüde bestiegen wir das fast leere Großraumabteil, jeder schnappte sich eine Vierergruppe und breitete sich aus. Die ausgeteilten Decken wurden gerne genommen, denn die Klimaanlage lief auch die Nacht hindurch, und es war bitter kalt. Mit dem Kopf auf dem Kamerarucksack schlief ich ein, und wachte erst kurz vor Kediri auf. Naja, so richtig schlafen konnte man es nicht nennen, das Rattern der Räder auf den Schienenstößen, das Klappern des ganzen Wagens, und vor allem die Schaukelei des ganzen Zuges verhinderte Tiefschlaf, aber immerhin...

Früher fuhr der Zug von Solo nach Malang über Surabaya, das war aber wegen dem Ausbruch des Schlammvulkans bei Sidoarjo nicht möglich, die Strecke ist dort noch immer gesperrt, so dass die Schleife unten rum genommen wurde. Das Abteil hatte sich inzwischen auf etwa 3-4 Stationen unterwegs gut gefüllt, aber wir hatten unsere Vierergruppen noch für uns. Der Zug ratterte durch eine abwechslungsreiche Landschaft, mal durch Reisfelder, dann wieder Wälder und Palmenhaine, Dörfer und kleine Städte, durch flaches Land, dann wieder durch kurvige Täler, ein Tunnel und ein Stausee war zu erspähen. Was man draußen beobachten konnte, war manchmal erstaunlich, da hockte zum Beispiel jemand halb einem Kanal, Hinterteil unter Wasser, und machte sein Morgengeschäft, ein paar hundert Meter weiter Kanalabwärts wusch eine Frau die Wäsche in dem selben Kanal, und jemand badete. Und da kam der Schaffner und teilte Frühstück aus, ich stellte das Nasi Goreng erstmal beiseite... Zwischen Kediri und Malang konnten wir aus dem Zug heraus einige Zuckerfabriken sehen, einige noch in Betrieb (nur Diesel oder garkeine Eisenbahn), und zwei Ruinen wo nur noch wenige Mauerreste und der Schornstein standen, siehe Markierungen auf dem nachfolgenden Sat-Foto, und gegen Mittag trafen wir im Zielbahnhof des Zuges, also in Malang, ein. Fotos habe ich unterwegs nicht gemacht, ich wollte das Interesse der Mitreisenden nicht auf meine Kamera richten, denn die wurde noch gebraucht. Malang war aber noch nicht das Ende der Reise, am Bahnhof erkundigten wir uns nach einem Anschlußzug nach Jember, der fuhr aber erst in 6 Stunden, so dass wir uns dafür entschieden, den Bus nach Probbolinggo zu nehmen. Schade, eigentlich hatte ich gehofft, die Krupp-, Henschel- und Jenbacher-Loks, die dort noch stationiert sind, zu fotografieren. Irgendwann wird das aber klappen.

Das Busterminal war im Norden außerhalb der Stadt, wir nahmen ein inoffizielles Taxi am Bahnhof, das war billiger als ein offizielles "Taksi". Ich saß vorne in dem Suzuki-Minibus auf der Beifahrerseite, der weder einen funktionierenden Tacho noch sonst irgendwelche funktionierenden Anzeigen usw. hatte, Zündung erfolgte nicht durch einen Schlüssel, sondern per Kippschalter, die Karre hatte auch keine Klimaanlage, aber hauptsache sie fuhr. Kühlung verschaffte der Fahrtwind durch die offenen Seitenfenster und durch den Fußraum, da konnte man durch das Bodenblech auf die Straße gucken. Der Bus nach Probbolinggo war dann wieder komfortabler, mit Klimaanlage und weich gepolsterten Sitzen, und das Soto-Ayam, eine Hühnerbrühe mit Nudeln und allerlei Gemüse, Hühnerfleisch und exotischen Gewürzen im Busdepot am nächsten Zielort war vorzüglich, und kostetete umgerechnet nur 50 Cent. Danach nahmen wir den nächsten Bus, nach Situbondo, der war leider wieder ohne Klimaanlage, aber mit offenen Fenstern war es auszuhalten. Am späten Nachmittag erreichten wir endlich Situbondo, für eine erste Erkundung der dortigen Zuckerfabriken war es schon zu spät, also im Hotel Rosari eingecheckt, rüber zum Ikan-Bakar-Restaurant (gebackener Fisch in Soya-Chilisauce) gelaufen, darauf hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut, das kannte ich schon vom Vorjahr, denen alle Fischreserven des Abends weggefuttert, noch ein paar Flaschen Cola und Wasser gekauft, und ins Bett.


Das war die Tagesetappe, rot mit dem Zug, von Solo über Kediri nach Malang, blau mit dem AC-Bus von Malang nach Probbolinggo, Bus ohne AC in orange bis Situbondo.

Und demnächst geht es dann mit Olean, Asembagus und Panji weiter.

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
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#2

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 11

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 26.02.2008 17:31
von felixS • 54 Beiträge
Ja das war mein Pech, dass die VI noch nicht fertig war. Sie stand mit nigelnagelneuer Stahlfeuerbüchse im Schuppen.

Steve hat uns auch 2 Tage begleitet. In Semboro, wo wir 2 Loks gemietet hatten. Eine Mallet und eine Nachkriegs Jung.

Sonst ist da bis auf die 2 Feuerlosen kein Dampfbetrieb mehr. Allerdings hat es noch sehr viel Betrieb mit Diesel auf einem riesigen Netz. Sogar mit Doppelspur.

Felix

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#3

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 11

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 26.02.2008 17:50
von 52_2006 • 374 Beiträge
Hallo, ja Semboro fehlt mir auch noch in meiner Sammlung, da war ich noch nicht. Das Schmalspurnetz in Semboro und Jatiroto muss wahrlich gigantisch sein, einiges davon habe ich in Google Earth schon 'freigelegt', aber es fehlen noch ein paar hochaufläsende Bereiche, aber das was ich schon gefunden habe, das ist trotz allem der Hammer. Hoffen wir mal, dass die neue Feuerbüchse der TM VI wieder so lange hält, wie die Originalbüchse, die aus Kupfer gewesen sein müsste. Das mit der neuen Feuerbüchse muss ich in den Text noch einbauen, mir war nämlich noch nicht klar, ob die alte nur geflickt wurde, oder ob die einfach nur an den Rauchrohren undicht war. Danke für die Info.

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
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#4

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 11

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 26.02.2008 19:09
von felixS • 54 Beiträge
Ja die ist aus Stahl, es hatte sogar noch Walzhaut drauf.



Semboro ist eine Reise wert. Alleine schon wegen der abgestellten Mallets. Mich hats voll vom Hocker gehauen.



Bernd hat ne Liste erstellt. ua 12 Mallets

http://www.farrail.com/

Die "fahrtüchtige" Mallett pfeift auf dem letzten Loch.



Die 2 Feuerlosen



Und ne schöne Brücke



Felix
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#5

Palmen, Zucker und Dampf - Die Saison 2007 - Teil 11

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 27.02.2008 21:24
von 52_2006 • 374 Beiträge
Hi, danke für das Zeigen dieser Fotos. Wie gesagt, Semboro fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
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