kondenslok-forum Homepage & Railways of Indonesia keretapi-forum

#1

Keine Palmen, kein Zucker und kein Dampf - Teil 20

in Virus Kereta Api: Eisenbahn in Indonesien Reportagen / Railways of Indonesia reports 19.03.2008 22:32
von 52_2006 • 374 Beiträge
Reko-Loks gibts nicht nur bei der Deutschen Reichsbahn! Zweit-Titel: Zwei Hessen treffen sich in der Ferne!

Hallo,

die Serie neigt sich langsam dem Ende zu. Wie bei den Landschaftsbildern erwähnt, waren wir wieder von unserem AUsflug nach Ost-Java zurück in der Heimatstadt meiner Frau, Bandung, West-Java. Doch auch hier gibt es Eisenbahn, und davon möchte ich nun etwas zeigen.



Am 1.10.07 nachmittags fuhr ich mit TC zum Bahnhof in Bandung. Gleich vor dem Haupteingang ist die 600mm-Schmalpurdampflok TC 10.08, ehemaligens Staatspoorwegen 508T, Hartmann 4417/1920, aufgestellt. Loks dieser Baureihe, von denen auch TC 10.11 in Taman Mini und TC 10.15 im Ausbesserungswerk Manggarai in Jakarta überlebt haben, wurden an der östlichen Nordküste West-Javas (haben wir alle Himmelsrichtungen durch...) auf den dortigen Schmalspurstrecken zwischen der Hauptbahn Jakarta-Cirebon und der Küste eingesetzt. In der Gegend gab es auch einige Plantagenbahnen, allerdings sind bis auf eine Zuckerfabrik (PG Pamanoekan) und die Cooperative Soeka Mandi, auch als Tapioca Railway bezeichnet, keine Lokeinsätze auch diesen Plantagen überliefert.




TC 10.08 vor dem südlichen Empfangsgebäude des Bahnhofs von Bandung auf einer kleinen, auch erhaltenen Drehscheibe. Das EG ist ein Nachkriegsneubau in Anlehnung an den Art-Déco-Baustil, der in Bandung an vielen Stellen anzutreffen ist.

Wir haben dann für ein paar Rupiah Bahnsteigkarten erworben, und sind in den Bahnhof rein. Leider war schon abszusehen, dass bald die Dämmerung einsetzt, sonst hätte ich mehr Bahnhofsszenen machen wollen, aber wenigstens bekam ich noch einen Zug auf den Chip, der bald losfahren wird.




CC20307 (eine General Electrics U20C). Rechts die Wasserbehälter sind zum Nachfüllen der Klimaanlage.


Dann quer über die Gleise zum BW, hier warteten diverse Loks auf ihren Einsatz, oder wie diese beiden CC201 wurden sie auf ein anderes Gleis umrangiert. CC201 126R im Vordergrund wurde in jüngster Zeit modernisiert, was mit dem "R" für "Rekonstruksi" dokumentiert ist. Wer hätte gedacht, dass es nicht nur bei der Deutschen Reichsbahn Reko-Loks gibt! Imk Hintergrund die CC204 10 und dahinter eine CC201.


Die beiden Loks passierten jetzt die CC201 105. Alle Motoren blubberten und klapperten im Leerlauf. Ich hab mich beeilt, dass ich da noch dazwischen kam, und die paar Sekunden nur gelauscht, der absloute Wahnsinn...! Leider hatte meine Nikon auch dieses Mal kein Mikrofon...


Rechts nochmal die CC204 10, eine modernere Form der CC203. Der Hauptunterschied ist, dass die CC204 jetzt statt 1500 2000 PS hat, und Biodiesel-tauglich ist. Außerdem hat sie einen Führerstand mit viel mehr Elektronik als die Vorgänger. Diese Lokbaureihe wurden erst vor zwei Jahren neu vorgestellt. Die CC204 wird von Inka in Madiun (Ost-Java) in Lizenz von GE gebaut. Was mich wundert, ist dass die Loks noch immer mit den Lichtsignalen zwischen den Scheinwerfern ausgestattet werden, obwohl die PTKA inzwischen voll auf (noch analogen) Zugfunk zur Kommunikation zwischen den Zügen und den Stationen setzt. Über die Lampen können Zustandsmeldungen der nachfolgenden Strecke von Lok zu Lok übermittelt werden, wenn sie sich begegnen. Wie ich im AW Yogjakarta zwei JAhre zuvor beobachtete, wurden diese Lampen bei den hauptuntersuchten CC201 einfach übermalt und defekte Lampengläser nicht mehr ersetzt.


Im Hintergrund des letzten Bildes konnte man BB301 17, eine Krup M1500BB aus den 1960ern schon erkennen. Hier nochmal in voller Pracht, allerdings scheint die Lok abgestellt zu sein, oder nur noch als Reserve vorgehalten werden. Der gelbe Wagen hinter der Lok gehört zum Hilfszug des Depots. Im inneren findet sich der ganze Krimskrams, der gebraucht wird, wenn mal wieder ein Zug entgleist ist. Vor der Lok der Flachwagen ist auch was besonderes, und zwar ist bei diesem Wagen die Plattform tiefer gelegt worden, damit man mit den Seecontainern durch die alten holländischen Tunnel kommt. Allerdings wurden inzwischen die Strecken soweit tiefer gelegt, dass es auch mit Wagen ohne diesen Umbau geht.


Die Ablösung der Krupp-Lok ist diese hier: Eine echte Hessin! Davon gehört hatte ich ja schon, aber hier nun der Beweis. Das Bahnnetz in West-Sumatra (Padang, da wo einst die Esslinger E10-Zahnraddampfloks Zuhause waren) hat den Bahnverkehr im Laufe der letzten 2 Jahre fast vollständig eingestellt, nur noch die dort verbliebenen Zahnraddieselloks von SLM der Baureihe BB204 sind dort noch im Einsatz, aber auch eher selten. Dies hier ist eine der von Sumatra nach Java abgegebenen Loks der Baureihe BB303 derr letzten Bauserie von 1984, gebaut in Kassel bei Henschel als Typ DHG 1000BB.


Von der anderen "langen" Seite.


Und ein Blick auf die kurze Seite von BB303 51. Vermutlich werden die ehemaligen Sumatra-Loks so lange gefahren, bis sie runtergewirtschaftet sind, und dann abgestellt. Der Todesstoß wird sicher ein Defekt am Voith-Strömungsgetriebe sein, für das man keine Ersatzteile mehr bestellen will, wie ich schonmal vor 2-3 Jahren an dieser Stelle vermeldet habe.


Im Depot stand auch die Rangierlok BB300 13 herum. Sie stammt von Krupp, der deutsche Baustil der Dieselloks der 1950er und 1960er Jahre ist eindeutig erkennbar. 30 Loks dieses Typs wurden in 1958/59 gebaut.


Man könnte diese Lok als kleine Schwester unserer DB-V100 betrachten. Die Schirme links und rechts des mittleren Scheinwerfers dienen dazu, farbige Gläser zu verstecken, die man vor die Lampen klappen konnte. Diese Ausführung der Signale an den Loks war auch schon bei den Dampfloks der indonesischen Staatsbahn zu finden.


Hinter der BB300 unter dem Dach versteckt sich der "Rail One". Die Erinnerung an "Airforce One", den Jumbo-Jet des US-Präsidenten ist nicht ungefähr, denn bei "Rail One" handelt es sich um dessen schienengebundenes Gegenstück des indonesischen Staatspräsidenten! Er benutzt ihn aber kaum, so dass er meistens im Depot von Bandung, wo sich auch die Hauptverwaltung der Bahn befindet, unter dem Dach geparkt ist. Hin und wieder rückt er aber auch mal ohne Präsidenten zur Testfahrt aus, um zu sehen, ob er einsatzbereit ist. Meinen Eisenbahnfreunde in Bandung gelang bei solch einer Gelegenheit schonmal die Mitfahrt in dem Triebwagen.


Vor einem weiteren, etwas abgelegeneren Schuppen konnte ich dieses Gleisbaugerät von Plasser&Theurer einfangen.


Szenenwechsel: Wir sind im Trainings-Center. TC inspizier gerade die von ihm und anderen Modellbahnern aus Bandung aufgebaute Trainingsanlage. Die Anlage ist erst etwa 1 Jahr alt, und es stand die regelmäßige Wartung an.


Die Anlage ist in Form einer großen 8 aufgebaut, die auf der einen Hälfte eingleisig, und auf der anderen größeren Hälfte zweigleisig ausgebaut ist. Es gibt drei Bahnhöfe, zwei davon mit Lichtsignalen und elektronischem Stellpult, und ein unbedeutender Dorfbahnhof noch mit Flügelsignalen und pseudo-mechanischem Stellwerk. Pseudo deswegen, weil die Weichen und Signale auch elektrisch gesteuert werden, aber ganz primitiv über Kippschalter. Die Anlage können somit gleichzeitig drei Stellwerker gleichzeitig bedienen, jeder seinen Bahnhof und Streckenabschnitt.


Hier eins der von TC gebauten und programmierten Stellpulte, die sich exakt wie das Original verhalten. Es beherrscht alles, was so nötig ist: Belegtmeldung, Weichenstraßen, Signale schalten, usw.


TC und ein Eisenbahner inspizieren gerade das pseudo-mechanische Stellwerk. Im Vordergrund in dem kleinen Pult mit dem rote Not-Aus befindet sich eine Roco Lokmaus II.


Leider muss ich den Fahrbetrieb der Trainingsanlage schuldig bleiben, leider war der Mitarbeiter, der die Loks und Wagen unter Verschluss hält, nicht da, und außerdem hatte TC einige Betriebsstörungen gefunden, die erst behoben werden mussten. Das wollte er irgendwann die nächsten Tage machen. Übrigens, was Märklin jetzt kann, das kann TC schon lange. In einem Glaskasten konnte ich eine der von TC auf Basis von Roco-215ern gebauten Loks sehen, und die hatten vorne kleine Video-Kameras mit Funk-Übertragungssystem drin! Die auszubildenen Lokführer können ihre Lok vor dem Fernseher fahren, also ein richtiger Simulator!

Und für den nächsten Teil muss ich den Titel der Serie wieder etwas abwandeln, denn auch da gibts keinen Zucker, sondern was richtig wertvolles als Endprodukt...

Kondensierte und rohrzuckersüße Grüße,
condensed and canesweet greetings,

Stefan
nach oben springen

Forum der Webseite www.kondenslok.de

English users:English language is available in the user-profile after your login.
Register here or Log in here or Switch to english here.
Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: HermnMer
Forum Statistiken
Das Forum hat 218 Themen und 561 Beiträge.

Xobor Ein Kostenloses Forum von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen